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Unter der ausladenden Krone eines Blauglockenbaums bearbeitet der Dorfschmied ein glühend heißes Eisen. Wieder und wieder schlägt er zu, bis sich das Stück Metall in eine Hacke verwandelt hat. Und in was für eine: kein schlankes, kleines Instrument für das Blumenbeet, sondern ein schweres, grobes Gerät mit klobiger Klinge. Liu Shiwas Hacken sind eben für die Ewigkeit.
Der Schmied ist hier in Shijiawan, einem Dorf in der Nähe der alten Stadt Luoyang im Osten Zentralchinas, ein hoch angesehener Mann. Mit seinen Hacken und Harken ziehen die Bauern tiefe Furchen in ihre üppigen Kohl- und Zwiebelfelder. Seinen Geräten verdanken sie die lockeren Böden. Historiker sagen, die Han-Periode sei vor gut 18 Jahrhunderten zu Ende gegangen. Doch als ich mich hier umsehe, beschleicht mich das Gefühl, dass sie noch immer existiert: Die Schweine im Pferch in einer Ecke von Liu Shiwas Hof, die umherstreifenden Hunde und Hühner - alles erinnert an die Figürchen aus Ton, die zur Zeit der Han den Toten mit ins Grab gelegt wurden.
Bild: Robert Clark Vergrößern
Schmiedefeuer und Hacke ergänzen den Eindruck, gilt doch die fortgeschrittene Eisenverarbeitung als eines der Merkmale dieser Periode. Und so widerstandsfähig wie ihre Werkzeuge waren auch die Han. Sie hielten sich so lange wie kaum eine andere Dynastie an der Macht - mehr als vier Jahrhunderte. Seit der Gründung im Jahr 206 v. Chr. war ihr Reich im Fernen Osten so mächtig wie etwa zur selben Zeit das Alte Rom im Westen. Auch die Han schoben ihre Grenzen in "barbarische" Territorien vor, insbesondere nach Nordwesten. Und wie die Römer brachte die Dynastie schwache Herrscher hervor, war moralisch angeschlagen und ging schließlich, um 220 n. Chr., unter.
Doch das Vermächtnis der Han besteht in ihrer Vorbildfunktion. Das von ihnen geprägte Idealbild eines geeinten China und einer immer währenden Regierung war das Ziel aller folgenden Machthaber - die heutige Regierung mit eingeschlossen. Und noch immer orientieren sich Millionen Asiaten an den spirituellen und moralischen Werten des Konfuzianismus, der auf der Lehre des Konfuzius basiert und zur Staatsideologie der Han wurde.
Bild: Robert Clark, Urumqi, Xinjiang-Museum Vergrößern
Selbst ihr Name, den der erste Kaiser von einem Fluss übernahm, blieb erhalten: Han ren, Han-Menschen, nennen sich die ethnischen Chinesen noch heute. "Die westlichen Traditionen gehen auf die Römer und Griechen zurück", sagt Liu Qingzhu, Direktor des Archäologischen Instituts in Peking. "Die Wurzeln von Chinas Traditionen liegen bei den Han."