Die Sonne - Ein Stern wird erforscht

Artikel vom 01.07.2004  —  Autor: Curt Suplee

Gute Sicht! Wenn man 2400 Meter über dem Atlantik in den Himmel vor der Westküste Afrikas blickt, versteht man, warum es Astronomen hierher zieht. Die saphirblaue Klarheit über der Kanareninsel La Palma ist fast unwirklich. Die staubarme Atmosphäre lässt alle Himmelsobjekte scharf und flimmerfrei erscheinen. "Strecken Sie den Arm aus, bis Sie mit dem Daumen gerade die Sonne verdecken", sagt Göran Scharmer, der Direktor des Instituts für Sonnenphysik der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften. "Ist er bis an den Daumenrand dunkelblau, haben Sie so etwas wie eine künstliche Sonnenfinsternis, und Sie können die Korona um die Sonne sehen."

Deshalb sind Scharmer und seine Kollegen hier oben auf dem Kraterrand eines Vulkans, fast einen Kilometer über der Wolkendecke. Sie widmen sich einer Suche, die so alt ist wie die Menschheit: Sie beobachten das Himmelsfeuer. Es brennt seit 4,6 Milliarden Jahren, länger als es die Erde gibt. Doch erst seit zwei Jahrzehnten beginnen die Wissenschaftler allmählich, den Fusionsreaktor, den wir Sonne nennen, wirklich zu verstehen.

Im galaktischen Maßstab ist unser Stern eher unauffällig. Sicher, die Erde würde bequem eine Million Mal hineinpassen. Und er ist im Kern so dicht, dass die Sonnenstrahlen, die wir heute sehen, ihre Reise aus dem Mittelpunkt der Sonne lange vor der letzten Eiszeit begonnen haben. Immer wieder wurden sie absorbiert und erneut abgestrahlt. Sie brauchten viele hunderttausend Jahre, um sich aus der Photosphäre herauszuarbeiten. Für die 150 Millionen Kilometer durch den Raum bis zur Erde benötigten sie dann nur noch acht Minuten. Trotzdem gehört die Sonne in die Klasse der gelben Zwergsterne, genannt Typ G; von dieser Sternenart gibt es allein in der Milchstraße Milliarden.

Es sind sehr stabile Sterne. Der Energieausstoß der Sonne verändert sich in einem Jahrzehnt lediglich um ein Zehntelprozent, und im Laufe von Jahrhunderten ist es auch nicht viel mehr. Im Kosmos ist sie nur einer von vielen Funken. Aber nichts sonst im Universum - mit Ausnahme unseres eigenen Planeten - ist für uns Menschen von vergleichbarer Bedeutung. Die Sonne ist die Quelle aller Energie, die das Leben entstehen ließ und weiterhin nährt, sie bestimmt unser Wetter, unser Klima.

Und sie ist unser Schlüssel zum Verständnis des Werdens und Vergehens im Kosmos - wenn sie uns auch noch einige Rätsel zu lösen aufgibt. Aber nun stehen die Wissenschaftler kurz davor, Antworten auf viele offene Fragen zu finden.


(NG, Heft 7 / 2004)
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