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Mark Twain war ergriffen. "Jedes von anderen gerühmte Naturwunder wird den Reisenden zunächst enttäuschen", notierte der Schriftsteller, unterwegs zum Vulkan Kilauea, im Jahre 1866. "Je näher aber er ihm selber kommt, umso größer wird es, sich in alle Richtungen ausdehnend, bis es schließlich... zu gewaltig für sein Begriffsvermögen ist." Genauso ergeht es einem mit dem Hawai'i Volcanoes National Park. Die schildförmigen Erhebungen wirken bescheiden, sie schreien nicht: "Ich bin ein Feuer speiender Drache!" Wie Pockennarben sprenkeln die Krater älterer Ausbrüche die Landschaft, zu herb, um schön zu sein, zu gewaltig sogar für einen Naturliebhaber, der bereit ist, sich begeistern zu lassen. Am Anfang.
Bald aber ändert sich alles. Man geht auf Zehenspitzen über lakritzähnliche Stränge abkühlender Lava, lässt sich von einer Dampfsäule aus dem Erdinneren umspülen, bewundert einen Farn, der auf dem jungen Gestein Fuß gefasst hat. Man lauscht den Geschichten der Hawaiianer über ihre Vulkangöttin Pele, und dann spürt man sie überall: zwischen Gesteinstrümmern, die aus glühenden Schlünden emporgeschleudert wurden, in erstarrten Lavaseen, auf Friedhöfen voller versteinerter Bäume, im stechenden Schwefeldioxidgeruch, der aus den Spalten am Ostrand des Kilauea herüberweht. Schließlich steht man am Glutofen, in dem sie wohnt: am Pu'u 'O'o-Krater, von dem der immer noch anhaltende Ausbruch des Kilauea 1983 seinen explosiven Anfang nahm. Seither ist dort genug Lava ausgetreten, um damit fünf Straßen zum Mond zu pflastern. Jetzt wird einem klar: Der Hawai'i Volcanoes National Park ist auf ewig im Werden, er ist der unruhigste und unbeständigste Park der Erde.
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Die ersten Schritte zu seinem Schutz unternahm der amerikanische Kongress schon 1916, als Hawai'i (zu den Schreibweisen siehe Dezember-Ausgabe 2002) noch nicht Bundesstaat der USA war. Heute umfasst der Nationalpark mehr als 1300 Quadratkilometer auf Big Island, wie Hawai'is Hauptinsel auch genannt wird. Die Vulkane Kilauea und Mauna Loa mit ihren Schlackefeldern gehören zum Park, gestrüppbewachsene Wüsten, Wälder aus gertendünnen Koa-Akazien und rot blühende 'Ohi'a-Lehua-Bäume, dazu Regenwaldgebiete, die so dicht bewachsen sind, dass sie außer ein paar Botanikern und Insektenforschern kaum jemand durchdrungen hat. Einer von Peles Wohnsitzen liegt am Halema'uma'u-Krater. 150 Jahre lang war er der aktivste Schlot des Kilauea. Hawaiianer und Besucher aus aller Welt pilgern zum Rand des nunmehr ruhenden Kraters, um der Göttin zu huldigen und ihr Gaben zu bringen.
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"Es gibt nichts, was Sie hier nicht finden, von Falschgeld bis zu blutigen Schweinsköpfen", erzählt die Parkhüterin Faelyn Jardine. Jede Woche transportiert sie die "unpassende Hinterlassenschaft" in einem Müllsack ab. "Am liebsten sieht man es", sagt sie, "wenn Gesänge und Gebete dargebracht werden." Es ist leicht nachvollziehbar, warum so viele mit Gaben hierher kommen: Sie spüren das Grollen machtvoller Geister unter der Erde. Neben Pele sind es Dutzende, die Macht haben über Lava, Stürme, Feuer und Bäume und die Launen des Ozeans.
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