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Eines Nachmittags schlendere ich durch das Dorf Monserrate und sehe einen Mann, der weißes Pulver auf drei Plastikplanen ausbreitet. Ich frage ihn, was er da macht. "Kokainpaste trocknen", antwortet er. "Ist sie zu schwer, kauft sie der Händler nicht." Hat denn niemand etwas dagegen? "Ach was", sagt er, "das macht doch jeder." Der Ausspruch "Business as usual" bekommt hier eine ganz neue Bedeutung.
Ich bin tief im Süden des Landes, in einem Territorium, das von den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (FARC) kontrolliert wird. Journalisten erteilt die Rebellengruppe normalerweise keine Reisegenehmigung, doch mir wurde erlaubt, eine Freundin zu begleiten, die für ein Projekt über das Leben am Äquator recherchiert. Ihr Vorhaben ist anscheinend unverdächtig, die Rebellen lassen uns in ihr Gebiet. Aber die Einheimischen sind misstrauisch. Mit versteinertem Gesicht laufen sie an uns vorbei, als wären wir unsichtbar.
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Erst als wir einen Laden betreten, verstehen wir, warum sie sich beim Anblick von Fremden so unwohl fühlen: Der Kunde vor uns hat zum Bezahlen einen Beutel Kokapaste (ein Zwischenprodukt in der Herstellung) auf den Tresen gelegt, und wir erfahren, dass Händler der ganzen Region dieses Zahlungsmittel akzeptieren. Ich habe bereits andere Gebiete in Kolumbien besucht, in denen Koka angebaut und verarbeitet wird, doch so etwas habe ich noch nie erlebt. Um mehr herauszufinden, benötige ich aber die richtigen Beziehungen. Ich wende mich an einen hochrangigen Befehlshaber der FARC, der wie alle Rebellen ein Pseudonym hat und sich Fabián Ramírez nennt.
Ich erkläre ihm geradeheraus, dass ich gern die hiesige Kokainwirtschaft dokumentieren möchte. "Eine tolle Idee", sagt er zu meiner Verblüffung, "tun Sie das." Seine Stellvertreterin reicht mir ein Schreiben, das mir gestattet, überall zu fotografieren.
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Bald schließe ich mich dem Kokabauern Rubén an. Zwar bin ich mir nie sicher, ob er den Auftrag hat, mich zu bewachen oder ob er mir wirklich nur behilflich sein will, doch ohne ihn hätte ich wohl nie die Chance bekommen, hinter die Fassade dieses Orts zu schauen. In den folgenden drei Jahren lerne ich auf fünf Reisen eine rückständige Wirtschaft kennen, die ganz und gar auf Kokain basiert.
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