MASSAI – Der Schritt zur Reife

Artikel vom 01.01.2004  —  Autor: Carol Beckwith und Angela Fisher  —  Bilder: Carol Beckwith und Angela Fisher

Am Anfang sind ihre Körper rot und ockerfarben bemalt; sie drücken noch das Temperament des Kriegers aus. Am Ende aber haben sie ihre Speere gegen Stücke getauscht.

Mit einem viertägigen Ritual, dem eunuto, feiern junge Massai in Kenia ihren Abschied vom Kriegerleben und den Eintritt in die Reihen der Weisen. Es ist ein großer Einschnitt im Leben eines ostafrikanischen Halbnomaden, der noch nach den alten Traditionen lebt. Unter dem Klang von Kudu-Hörnern starten die mit Büffellederschilden bewehrten Krieger einen rituellen Lauf im Kreis, der immer schneller wird, bis die aufgeheizten Emotionen eine ansteckende Hysterie auslösen und Teilnehmer in Trance fallen.

Am letzten eunuto-Tag schert jede Mutter bei Sonnenaufgang mit einer Mischung aus Milch und Wasser die geflochtenen Haare ihres Sohnes.

Die Haarschur, die bewegendste Szene des Initiationsrituals, symbolisiert das Ende der Kriegerzeit. Die frisch geschorenen Männer vollführen nochmal einen Tanz, mit dem sie zeigen, dass sie zwar ihr Haar, aber nicht ihre Stärke verloren haben. Hochrangige Älteste besprühen sie dann mit Honigbier und Kuhmilch, das soll ihnen Gesundheit und Wohlstand verleihen.

Ihr Rat lautet: "Jetzt, da ihr Älteste seid, legt eure Waffen nieder - und benutzt stattdessen euren Kopf und eure Weisheit."


(NG, Heft 1 / 2004)
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