Das erste mal kam ich 1944 zu ihnen. Als junger katholischer Missionar hatte ich Frankreich ein paar Jahre zuvor verlassen. In Pond Inlet auf Baffinland lebten damals 22 Eskimos und sieben Weiße. Das Umland durchstreiften jagende Eskimos, die nach Familiengruppen aufgeteilt in Camps lebten. Sie fuhren mit Hundeschlitten, stellten Fallen für Polarfüchse, jagten Karibus und Robben mit Gewehren; so behaupteten sie sich in einer der unwirtlichsten Gegenden unseres Planeten.
Das traditionelle Leben der Ureinwohner ist ein Existenzkampf. Weder die vom Nordwestwind gepeitschte Tundra noch die von Gletschern durchzogenen Berge sind für den Menschen einladend. Einst beschafften sich die Eskimos fast ihre gesamte Nahrung durch das Jagen. Für die wenigen, die weiterhin in Camps leben, trifft das noch immer zu. Die Menschen in den Siedlungen hingegen decken nur noch ein Viertel ihrer Nahrung mit Wild; das Übrige kommt aus den verlockenden Regalen im Warenhaus der Hudson's Bay Company.
Den ersten Kontakt zu Weißen bekamen die Ureinwohner dieser Region im frühen 19. Jahrhundert, als Walfänger ihre Sommerraubzüge begannen. Die sporadischen Treffen brachten den Eskimos eine wichtige Errungenschaft: das Gewehr. Schnell ersetzte es den Bogen und erhöhte erheblich die Effektivität des Jägers. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts blieben weiße Händler auch den Winter über in Pond Inlet. Sie heuerten Eskimos als Jäger und Trapper an und bezahlten sie wöchentlich mit Tee, Tabak, Melasse und Keksen. Diese Waren wurden für die Einheimischen rasch unentbehrlich. Bis heute nennen sie den Samstag sivatarvik: "Tag, an dem Kekse verteilt werden".
Um den Kindern die Chance einer Ausbildung zu geben, wurden an strategisch günstigen Orten wie Pond Inlet staatliche Schulen gebaut, mit Schlafsälen für Schüler, deren Eltern noch umherzogen. Doch die Eskimos hingen zu sehr an ihren Kindern, um sie anderen Menschen anzuvertrauen. Nach und nach zogen die Eltern näher an die Schulen heran und wurden so allmählich sesshaft. Als der Staat von 1966 an in den Siedlungen Fertighäuser für alle baute, gab das den letzten Anstoß für die Veränderung der Lebensweise der Eskimos. Auch die Letzten von ihnen gaben das Wanderleben auf.
Würden die Weißen eines Tages gehen, wäre ein großer Teil der Bevölkerung nicht mehr in der Lage, in einem Gebiet zu existieren, in dem ihre Vorfahren Tausende Jahre gelebt haben.
Anstelle des früher allgemein üblichen Begriffs "Eskimo" sind heute allgemein die Bezeichnungen Inuk (Singular) beziehungsweise Inuit (Plural) üblich. 1999 entstand im arktischen Teil der Northwest Territories die Region Nunavut ("Unser Land"). Sie wird von den Eskimos autonom verwaltet. Als Gegenleistung stellen die Inuit keine weiteren Landforderungen mehr und verzichten auf einen eigenen Staat. Der Autor unseres Beitrags starb 1994.
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