"Wir gehen zum powwow, um glücklich zu sein", sagt Gloria Matthews, eine Cherokee-Indianerin und Gemeinschaftskundelehrerin, zu mir. Wie das? Von Glück hört man im Zusammenhang mit Indianern nicht eben oft. Seit Jahrhunderten erdulden sie ein trauriges Schicksal. Sie haben ihre großartige, freie Lebensweise eingebüßt. Bei der Verteidigung ihrer religiösen Praktiken und der Überreste ihres Lands stehen sie vor großen juristischen Problemen. Ihre Kranken- und Alkoholikerrate ist sehr hoch. Worüber könnten sie glücklich sein? Als ich von einem powwow zum anderen fahre, finde ich es heraus.
Powwow sind Versammlungen, die meist an Wochenenden stattfinden. Zu ihnen kommen Indianer vieler Stämme oft von weit her, um zu tanzen, zu singen, um Geld zu spielen sowie Verwandte und Freunde zu treffen. Im Mittelpunkt stehen Gemeinschaftstänze, bei denen jeder mitmachen darf, und Tanzwettbewerbe in mehreren Kategorien. Sie sind aus traditionellen Tänzen entstanden, die früher fester Bestandteil von spirituellen Zeremonien, Kriegsvorbereitungen, Heilritualen und Siegesfeiern waren. Die Zahl dieser Treffen nimmt ständig zu.
Noch vor 20 Jahren wurden sie fast ausschließlich in Reservaten veranstaltet, heute finden einige der größten in riesigen Kongress- oder Sporthallen statt. Der Grund für die wachsende Beliebtheit mag mit der Wiederbelebung der indianischen Identität zu tun haben.
Dass bei einem powwow heute kaum Alkohol ausgeschenkt wird, mag ebenfalls dazu beigetragen haben. Und die Preise sind mittlerweile so hoch, dass ein guter Tänzer davon leben kann. Die besten unter ihnen, zum Beispiel Jonathan Windy Boy, singen und tanzen beinahe jedes Wochenende bei einem Wettbewerb. Sie verdienen bis zu 50 000 Dollar im Jahr.
Die powwow sind heute weit mehr als eine Verbeugung vor der Vergangenheit. Sie sind keine Shows. Sie dienen nicht der Unterhaltung. Die meisten Indianer bezeichnen sie als Feiern. Anfangs begriff ich kaum, worum es bei diesen lärmigen Veranstaltungen ging. Doch auf dem powwow-Weg, wie die Indianer ihn nennen, von einer Veranstaltung zur anderen, blicke ich hinter die Fassade - und ich merke, dass es eben doch etwas zu feiern gibt.
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