So spielen die Völker der Welt

Artikel vom 01.08.2004  —  Autor: J. R. Hildebrand
Tennis (oben), Geländelauf (unten links), Eskimos werfen eine Frau in die Luft

Bild: Central News (unten links), Edwin Levick (oben), Kenneth Kerr (unten rechts) Vergrößern

Sport lässt uns die Zeit vergessen. Er fordert und fördert den Körper, er bereitet Vergnügen. Dabei erfüllten viele unserer heutigen "Spielzeuge" einst einen ernsthaften Zweck: Das Kanu war das traditionelle Fortbewegungsmittel der Indianer; Fischen, Tauchen und Jagen dienten dem Lebensunterhalt; und der Schlittschuh musste erst zur Verteidigung des Vaterlands herhalten - Norwegens Heeresleitung stellte ein ganzes Regiment auf Kufen -, bevor er sich zum Sportgerät entwickeln konnte.

Wissenschaftler haben viel aus den Spielen früherer Völker ableiten können, denn sie geben Hinweise darauf, welches Klima an einem Ort herrschte, welche Gegenstände die Erfinder benutzten und welche Gebräuche zu ihrem Alltag gehörten. Naturgemäß ist also das Schlittenfahren in winterlichen Gefilden entstanden.

Turmspringen (links), Rudern (oben mitte), Eingeborene beim Fischfang auf Hawaii

Bild: Paul Thomson (links und oben), Perkins (unten rechts) Vergrößern

Und in Asien, wo feuchtwarmes Klima jede Lust auf Leibesübungen vergällt, fanden die Menschen in Brett- und Kartenspielen einen schweißlosen Zeitvertreib. So steckt in jeder Sportart auch eine Botschaft aus der Vergangenheit. Überall begeistern sich die Menschen für Sport und Spiele.

Das zeigen die Fotos, die NATIONAL GEOGRAPHIC-Reporter im Jahr 1919 aus vielen Erdteilen zusammentrugen. Anlässlich der Olympischen Spiele 2004 veröffentlichen wir eine Auswahl.

An der englischen Eliteschule Eton ist Geländelauf seit Generationen Tradition. "So übten die Jungs, ohne es zu wissen, für den späteren Hindernislauf durch deutsche Sperrfeuer, Bajonette und Stacheldraht", schrieb der amerikanische NATIONAL GEOGRAPHIC-Autor J. R. Hildebrand unter das Foto. Als sein Artikel 1919 erschien, war der Erste Weltkrieg erst seit wenigen Monaten vorbei. Auch die Ursprünge des sportlichen Ruderns liegen in England. Seit dem 19. Jahrhundert messen hier junge Männer in Wettkämpfen ihre Kräfte. Eines der ältesten Rennen bestreiten die Universitäten Oxford und Cambridge.

Bewohner der Fitschi-Inseln (oben links), Seilziehen (oben rechts), persische Ringer

Bild: Dean C. Worcester (oben), Mabel D. Merrill (unten) Vergrößern

Es wird seit 1829 jährlich auf der Themse ausgetragen. Doch nicht nur auf, sondern auch im Wasser werden zahlreiche sportliche Wettkämpfe ausgetragen.

So gehört Schwimmen bei vielen Völkern zum Kanon der zu erlernenden Fähigkeiten. Ganz besonders begeisterte Wasserratten waren wohl die Ureinwohner Perus und Brasiliens. Ein Entdecker will beobachtet haben, dass manche bis zu acht Tage am Stück im Wasser blieben.


(NG, Heft 8 / 2004)
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