Das Rätsel der Pampa

Artikel vom 01.08.2005  —  Autor: Viola Zetzsche  —  Bilder: Dai-Kaak, Markus Reindel
Indios bei einem Ritus im Hochland bei Palpa
Nasca

Bild: H. Tom Hall (Illustration), Julia Donoso/Corbis (kleines Bild links), Museo del oro, Lima, Bridgeman Giraudon (kleines Bild rechts), Peru Vergrößern

Die Inka feierten voller Inbrunst und Lebenslust. "Am Vorabend des (...) Festes pflegte man die Tochter der Sonne in Maisbier zu baden, versammelte sich zum Gebet und stellte ihr Meerschweinchen und andere Opfergaben hin", notierte der Missionar Francisco de Avila im Jahr 1610. "Sie tanzten voller Freude. Dann zog man aufs Feld hinaus, arbeitete jedoch nicht, sondern zechte weiter, denn man sagte: 'Heute ist unserer Mutter Fest." Es war nicht erst ein tiefes Bedürfnis der Inka, sondern aller frühen indianischen Kulturen Südamerikas, ihre Götter auf so feierliche Weise zu ehren. Wurden solche Riten ein Jahrtausend vor ihnen schon auf den Hochebenen von Nasca und Palpa abgehalten?

Ich stehe auf dem Grat einer Düne, unter der die Reste einer Lehmziegelpyramide begraben sind. Sie gehörte zu Cahuachi, dem Mittelpunkt des geistigen und religiösen Lebens der Nasca (200 v. Chr. bis 600 n. Chr.), einer der Vorläuferkulturen der Inka. In der Ferne erstreckt sich eine Hochebene. Sie ist Teil der Pampa - Rest einer urzeitlichen Schotterfläche -, deren riesige Linien und Bodenzeichnungen uns so faszinieren. Ihre Entstehung und Bedeutung ist eines der ungelösten Rätsel der Menschheit. Eine Windhose wirbelt Sand über die Wüste. Hier fallen weniger als fünf Millimeter Regen pro Jahr. Die Nasca lebten in fruchtbaren Flussoasen, die vom Sommerregen aus dem Amazonasbecken gespeist wurden. Mais und Baumwolle, Avocados und Palmen wuchsen in den Ufergebieten, und Terrassenfelder erstreckten sich die steilen Hänge hinauf, so weit das Wasser reichte. Dazwischen standen Siedlungen aus Schilfrohrhütten und Lehmhäusern. In den Bergen waren Stollen zum Abbau von Gold und Silber angelegt.

Bekannt wurde die bemerkenswerte Leistungsfähigkeit der frühen Bewohner Perus im Jahr 1901, als der Archäologe Max Uhle aus Dresden im Ica-Tal die Kultur der Nasca erforschte. In deren Häusern wurden aus Baumwolle und dem Haar von Lamas ornamentreiche Tücher und Teppiche gefertigt. Weit verzweigte Kanäle versorgen noch heute blühende Felder mit Grundwasser. Vor allem: Auf einer Fläche von mehr als 500 Quadratkilometern erstrecken sich ihre berühmten Bodenzeichnungen über die Hochflächen bis in die Flusstäler hinein. In der Kleinstadt Nasca starte ich zu einem Rundflug über diese so genannten Geoglyphen, die seit 1994 zum Unesco-Weltkulturerbe gehören.

Sie machen einen immer noch staunen: Menschliche Figuren mit auffälligem Kopfschmuck blicken mich von den Hängen an. Spiralen, Trapeze und bis zu 300 Meter lange Darstellungen von Tieren liegen auf den Hochflächen, dazu Linien wie hingeworfene Mikadostäbchen. Die längste misst etwa 20 Kilometer und ist noch auf Satellitenaufnahmen aus 600 Kilometer Höhe zu erkennen. Es gibt viele Deutungsvorschläge für diese Bilder, aber ihr Zweck und ihre Funktion sind noch immer nicht schlüssig erklärt.

Bodenzeichnung wird vermessen

Bild: William A. Allard Vergrößern

Warum bauten die Nasca die riesigen Geoglyphen? Markieren die Linien unterirdische Wasserläufe, stellen sie ein astronomisch bedingtes Konstruktionsschema oder Landeplätze von extraterrestrischen Besuchern dar? Schreiben Sie uns Ihre Meinung an leserbriefe@nationalgeographic.de. Bitte vergessen Sie nicht, Ihre Anschrift anzufügen.


(NG, Heft 8 / 2005)
  • Artikel bookmarken
  • Firefox
  • IE
  • del.icio.us
  • Mister Wong
  • Yahoo MyWeb
  • Google
Userkommentare

DISQUS ist ein Angebot von disqus.com und unabhängig von nationalgeographic.de - siehe insoweit die Hinweise zum Datenschutz der DISQUS-Kommentarfunktion

blog comments powered by Disqus