Am Anfang steht eine Legende. Irgendwann im 5. Jahrhundert v. Chr. hatte Maya, die Gattin des Königs Shuddhodana, einen Traum. Sie lag in einem goldenen Gebäude, und Trompeten verkündeten die Ankunft eines großen weißen Elefanten. Dieser trug eine Lotosblüte, ging dreimal um die Königin herum - und trat in ihren Körper ein. In diesem Moment, so ist überliefert, "wurden all die 10 000 Welten plötzlich durch und durch erschüttert". Was für ein Traum! Er beeindruckte Maya so stark, dass sie ihn dem König erzählte, der der Kriegerkaste kshatriya angehörte und in der Hauptstadt Kapilavastu das Volk der Shakya regierte.
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Daraufhin sagten weise Männer am Hof voraus, der kommende Sohn werde entweder über die ganze Welt herrschen oder sich als ein Buddha, ein "Erwachter" oder "Erleuchteter", erweisen. In der Nähe von Lumbini, erzählt die Legende weiter, badete die Königin in einem Teich, der in einem Hain von Salbäumen lag. Als sie aus dem Wasser stieg, hielt sie sich an einem Ast fest und lächelte beim Anblick der wilden Blumen. Zwei himmlische Wesen übergossen sie mit Wasser und Lotosblüten. Maya spürte ihre Wehen kommen, lehnte sich an einen Feigenbaum, und ein Kind trat aus ihrer Seite heraus. Es war in strahlendes Licht gehüllt und konnte bereits laufen und sprechen. "Dies ist meine letzte Geburt", rief der Junge aus. Durch dieses und andere glückverheißende Zeichen wurde der junge Prinz Siddhartha genannt: "Er, der sein Ziel erreicht hat".
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Der junge Prinz Siddhartha Gautama wuchs in einem Palast auf, unberührt von der Außenwelt und dem Leiden der Menschen. Der König verwöhnte seinen Sohn mit allen Genüssen, ließ ihn die Veden, die heiligen Schriften des alten Indien, studieren und in der Kriegskunst schulen. Alle waren zufrieden, als der junge Prinz heiratete und seine Frau ihm einen Sohn gebar. Dann aber änderte sich Siddharthas Leben dramatisch. Er ging auf Erkundung außerhalb der Palastmauern und sah Dinge, die ihm noch nie begegnet waren: einen von Krankheit verunstalteten Menschen, einen altersschwachen Greis, einen Leichnam. Das menschliche Leid berührte ihn zutiefst. Er fing an, über die Welt und seinen Platz darin nachzudenken. Schließlich traf er einen sadhu, einen hinduistischen Wandermönch, der den weltlichen Freuden entsagt hatte, um sich der Suche nach größerer Weisheit zu widmen. Von dieser Lebensweise kann ich lernen, sagte sich Siddhartha.
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Später, während Frau und Sohn schliefen, schlich er sich durch das Palasttor, schnitt sich mit seinem Schwert das Haupthaar und hüllte sich in das schlichte Gewand eines Waldasketen. Dann wanderte er südwärts in die Ganges-Ebene, wo er zusammen mit anderen Mönchen in Höhlen lebte und seine Nahrung erbettelte. Wahrscheinlich irgendwann im 5. Jahrhundert, nach sechs Jahren Wanderschaft und Askese, war Siddhartha dem Tod nahe. Er setzte sich unter einen Feigenbaum am Ufer des Nairanjana, nahe dem Dorf Uruvela (beim heutigen Bodh Gaya). Es war am Abend des Vollmonds im Mai, zur gleichen Jahreszeit, in der er geboren worden war.
"Dort sah ich eine wundervolle Landschaft, einen klar strömenden Fluss, eine liebliche Furt und ein nahes Dorf", schrieb der Prinz später. Er aß etwas Reis und Milch mit Honig, die eine Frau aus dem Dorf ihm gebracht hatte, und zog sich in die Meditation zurück. Er widerstand den Versuchungen, mit denen der Dämon Mara ihn heimsuchte - und erhob sich als Buddha. Bis zu seinem Tod über 40 Jahre später wanderte er auf den Handelsrouten im heutigen Nordindien und Nepal und lehrte in Städten wie Vaishali, Rajagriha und Varanasi. "Ich habe Befreiung durch Auslöschung des Selbst erlangt", sagte er den Menschen. So entstand aus der Meditation von Bodh Gaya eine religiöse Bewegung, die zur viertgrößten organisierten Religion der Welt werden sollte. Heute bekennen sich etwa 390 Millionen Menschen zum Buddhismus.
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