In diesem neuen Jahrtausend ist es wichtiger denn je, die Einheit der Menschheit anzuerkennen. Viele Konflikte unserer Welt entstehen daraus, dass wir die essenzielle Wahrheit aus dem Blick verloren haben, die uns als menschliche Familie verbindet. Wir vergessen, dass die Menschen trotz der oberflächlichen ethnischen, kulturellen, sprachlichen und religiösen Unterschiede alle denselben Wunsch nach Frieden und Glück teilen.
In unserem tiefsten Innern sehnen wir uns alle nach Glück. Ja, ich glaube, es ist tatsächlich der Zweck des Lebens, glücklich zu werden. Aus meiner eigenen beschränkten Erfahrung habe ich gelernt, dass es ein Fehler ist, alle Hoffnung auf äußere Bedingungen zu setzen, da wir als Menschenwesen nicht nur materielle Kreaturen sind. Der Schlüssel zum Glück ist die Entwicklung von innerem Frieden. Es steht außer Frage, dass wir materielle Dinge für unser körperliches Wohlergehen brauchen, doch diese allein können uns nicht völlig zufrieden stellen. Als Menschen streben wir nach einer tieferen mentalen und emotionalen Befriedigung. Ich glaube, dass der Glaube selber in unserem hochgradig wissenschaftlichen Zeitalter immer noch Millionen von Mitmenschen auf der ganzen Welt ein tiefes Gefühl von Sinn und Inspiration vermittelt.
In der gesamten Geschichte der Menschheit haben Individuen und Gemeinschaften ihre Religion und Kultur als eine Quelle von Sinn und grundlegenden menschlichen Werten betrachtet. Es ist traurig zu sehen, dass diese in der zunehmend materiellen und technologischen Welt von heute immer weniger gelten. Wenn die menschliche Gesellschaft so fundamentale Werte wie Gerechtigkeit, Erbarmen, Vergebung und Ehrlichkeit verliert, werden in Zukunft noch größere Schwierigkeiten auf uns zukommen. Deshalb glaube ich, dass die Religionen der Welt immer noch eine wichtige Rolle zu spielen haben. Zwischen den verschiedenen Traditionen gibt es Ähnlichkeiten und Unterschiede. Jede hat ihre eigene Philosophie und einzigartige Lehren, aber eines der obersten Ziele aller Religionen ist es, einen besseren Menschen zu schaffen. Es ist deshalb wichtig zu erkennen, was für den Einzelnen oder eine Gruppe von Menschen angemessen ist. Wir sollten nicht nur die abstrakten Details der Theologie oder Metaphysik betrachten. Wenn wir die verschiedenen Religionen als Instrumente zur Entwicklung von menschlichen Eigenschaften wie Erbarmen, Toleranz, Vergebung und Selbstdisziplin ansehen, dann können wir würdigen, was sie gemeinsam haben.
Bei den meisten von uns hängt der religiöse Glaube vom Familienhintergrund ab, davon, wo wir geboren und aufgewachsen sind. Ich meine, dass es im Allgemeinen besser ist, seine Religion nicht zu wechseln. Je mehr wir aber gegenseitig unsere Eigenheiten verstehen, desto mehr können wir voneinander lernen. All die großen religiösen Traditionen verkünden eine ähnliche Botschaft. Ihre Art und Weise, Liebe und Erbarmen darzustellen, mag sich unterscheiden, aber das Grundkonzept bleibt dasselbe. Wenn wir diese Tatsache erkennen, flößt uns das natürlich echten Respekt vor anderen Glaubensbekenntnissen ein. Dies kann eine Grundlage für harmonische Beziehungen zwischen den verschiedenen Religionen der Welt sein und wiederum zu mehr Frieden beitragen.
Gerade aus meiner Verehrung für die großen Religionen der Welt heraus, bin ich kein Verfechter von Versuchen, die verschiedenen Traditionen zu einer einzigen "Weltreligion" zu vereinigen. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir unterschiedliche Religionen brauchen. Eine einzige Tradition könnte der enormen Vielfalt innerhalb der menschlichen Gemeinschaft nicht gerecht werden. Jeder hat das Gefühl, seine eigene Form der religiösen Praxis sei die beste. Ich selber meine, dass der Buddhismus für mich am geeignetsten ist.
Aber das heißt nicht, dass dies für jeden gilt. Jeder Mensch hat das Recht, seine eigene Wahl zu treffen. Allerdings glaube ich nicht, dass man leichtfertig von der Religion seiner Geburt zu einer anderen übertreten sollte. Es ist vielmehr nötig, ein Verständnis für die Unterschiede der verschiedenen Traditionen zu entwickeln. Ja, ich bin sogar der Überzeugung, dass eine innere spirituelle Verwandlung auf der Basis unserer eigenen Religion uns hilft, den Wert anderer Traditionen zu würdigen.
Harmonie, gegenseitigen Respekt, Erbarmen und Toleranz zu kultivieren ist etwas, womit wir in unserem eigenen Leben beginnen können. Wenn wir dagegen die Unterschiede zwischen den Traditionen zum Anlass für Konflikte nehmen, werden diese endlos weitergehen. Wir werden alle darunter leiden, auch wenn es einer Seite gelingen sollte, der anderen ihre Sichtweise aufzuzwingen. Die Geschichte zeigt, dass Zwang selten zu positiven Ergebnissen führt. In unserer heutigen Situation kann keine Seite durch kriegerische Mittel triumphieren. Feindseligkeit, die auf religiösen Differenzen beruht, kann keinerlei sinnvollen und andauernden Nutzen bringen.
Noch vor nicht allzu langer Zeit gab es zwischen verschiedenen Kulturen, ja sogar zwischen verschiedenen religiösen Gemeinschaften innerhalb einer Kultur, nur relativ spärliche oder gar keine Kommunikation. Respekt für andere Glaubensgemeinschaften war nicht wichtig, außer dort, wo Anhänger verschiedener Religionen Seite an Seite lebten. Aber die Situation hat sich grundlegend verändert. In unserer zunehmend komplexen und vernetzten Welt ist es dringend nötig, die Existenz anderer Kulturen, verschiedener ethnischer Gruppen und, natürlich, anderer Glaubensbekenntnisse anzuerkennen und wertzuschätzen.
Einer der positivsten Aspekte der vielen Jahre, die ich im Exil verbracht habe, ist, dass ich freier war zu reisen. Ich hatte die Gelegenheit, mit Anhängern anderer Religionen zu sprechen, ihre heiligen Stätten zu besuchen und dort zusammen mit den Pilgern zu beten. Nicht jeder kann sich so glücklich schätzen. Ich glaube jedoch, dass die Lektüre dieses Buchs, das versucht, die wichtigsten Religionen der Welt, ihre Geschichte, heiligen Stätten und Praktiken auf allgemein verständliche Weise darzustellen, so etwas sein könnte wie eine Pilgerfahrt. Die reiche Illustrierung vermittelt etwas vom beeindruckenden visuellen Charakter der verschiedenen Religionen. Die persönlichen Erfahrungsberichte präsentieren eine Innenansicht. Ich glaube, dass es allen Religionen in einem ganz realen Sinn darum geht, ein gutes Herz und einen positiven Geist zu erzeugen, was uns beides letztlich Glück beschert. Ich hoffe aufrichtig, dass die Leser erkennen werden, dass es viele Wege gibt, dies zu erreichen. Wir können alle dazu beitragen, eine friedlichere und freundlichere Welt herbeizuführen, wenn wir glauben und diesen Glauben in eine spirituelle Praxis umsetzen.
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