Acadia kenne ich schon lange, seit mindestens einem halben Jahrhundert. Beim ersten Besuch jagte mir der Park ganz schön Angst ein - es war ein nebliger Morgen, meine Route führte über steile Treppen und Leitern, und ich hatte schwer zu kämpfen, um meine Höhenangst zu unterdrücken. Aber damals wie auch später betörten mich die Landschaften: die ursprünglichen Wälder, die glitzernden Teiche, die von Brandung umtosten Landzungen. Viele Jahre lang kehrte ich immer wieder zurück, besonders im Herbst, wenn die Kuppen und Täler leuchten wie die Glut eines Feuers in der Nacht. In der Zeit der fall foliage, des Indian Summer.
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Acadia liegt am Atlantik in Maine, dem nördlichsten Bundesstaat von Neuengland. Mit etwa 19 000 Hektar ist dies einer der kleinsten amerikanischen Nationalparks - aber einer der meistbesuchten. Sein größter Teil umfasst Mount Desert Island, etwas abseits liegen die Granitblöcke der Schoodic-Halbinsel auf der anderen Seite der Frenchman Bay, die Isle au Haut im Golf von Maine und weitere kleinere Inseln im Meer. Mount Desert ist durch einen Damm mit dem Festland verbunden, und die 32 Kilometer lange Park Loop Road führt die Besucher zu vielen Attraktionen: Es gibt mehr als 20 Seen und Teiche, den 466 Meter hohen Gipfel des Cadillac Mountain und einen Ort namens Sand Beach, die einzige Badestelle am Meer ohne Felsen. Dort zu schwimmen ist allerdings nicht jedermanns Sache: Die Wassertemperatur liegt selten über 15 Grad.
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Die Ringstraße führt auch zu dem idyllisch am Seeufer gelegenen Gasthaus Jordan Pond House. Es ist berühmt für seine popovers, eine Art leichte Muffins, die hier saftiger sind als irgendwo sonst im Land. Meine beiden Töchter erinnern sich immer noch gern an einen sonnigen Nachmittag ihrer Kindheit, als sie sich das buttrige Gebäck in den Mund stopften, während sich ganze Geschwader von Wespen auf ihr Glas mit Erdbeermarmelade stürzten. Die Geschichte von Acadia beschränkt sich natürlich nicht auf den kalten Atlantik, warmen Kuchen und berauschende Aussichten auf die Hügel und Wälder. Die Hauptrolle spielen die Menschen - besonders jene, die den Wert dieser Landschaft erkannten, als es die Nationalparkidee noch gar nicht gab, und jene, die sich heute mit Geld und ihrer Arbeitskraft engagieren, um die Tradition von Acadia weiterzuführen.
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"Dieser Park ist ein Vorbild für Bürgerbeteiligung", sagt der Parkleiter Sheridan Steele. Rund 3500 ehrenamtliche Mitarbeiter leisten jedes Jahr 40 000 Stunden Arbeit, ganz zu schweigen von der umfangreichen finanziellen Unterstützung durch den gemeinnützigen Verein Friends of Acadia. "Hier nahm die Philanthropie in den Nationalparks ihren Anfang", erklärt Steele. "Ohne sie würde es Acadia in seiner heutigen Gestalt vermutlich nicht geben."
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