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"Power! Money! Lust! Sex! Power! Money! Lust! Sex!" Immer wieder explodiert der Refrain aus einer Wand von zwei Meter hohen Lautsprechern. Ihre Bässe lassen das Parkett erbeben. Durch den rot angestrahlten Dunst aus Rauch und Schweiß fällt grelles Stroboskoplicht auf die tanzenden Paare: Männer mit Irokesenfrisur, Frauen in knappsten Vinylröckchen. Im Club Egg in London ist es Viertel vor fünf. Einige Tänzer liegen erschöpft auf den Sofas, andere haben an der Bar Zuflucht gesucht. Doch die meisten zeigen, was sie noch draufhaben - ausgelassen und voller Energie nach einer langen Nacht voller Alkohol, Drogen, Tabak und ohrenbetäubender Musik.
Wie machen die das? "Tatsächlich erleben wir gegen halb vier normalerweise sogar eine Art Wiederbelebung", sagt Simon Patrick, der Geschäftsführer im Egg. "Das ist die Zeit, wenn an der Bar vor allem Red Bull verlangt wird. Morgens um sieben haben wir dann Schwierigkeiten, die Leute aus dem Club zu kriegen. Es ist, als ob der ganze Körper ein paar Gänge höher schaltet", brüllt Lee Murphy gegen den Krach an. Er trägt einen goldenen Ring im Kinn, hält in jeder Hand eine silberblaue Dose und schlittert auf zehn Zentimeter hohen Absätzen über die Tanzfläche. "Um vier oder fünf ist man total kaputt", sagt der 29-jährige Krankenpfleger.
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"Dann greift man zu Red Bull. Diese zwei Dosen wirken wie ein halber Liter Speed." Murphy und die anderen Nachtschwärmer rund um die Welt setzen mit diesem als "cool" vermarkteten Dosengebräu auf eines der ältesten Aufputschmittel der Menschheit: Koffein. Legionen von Marathonläufern, Mountain-Bikern, Kampfpiloten, paukende Studenten und Fernfahrern auf Nachtschicht, die vor Feierabend noch 100 Kilometer schaffen wollen, tun es ihnen gleich. Eine tüchtige Dosis Koffein, das ist der Wirkstoff in dem überaus erfolgreichen Produkt aus Österreich. Eine Dose von 0,25 Litern enthält zwei- bis dreimal so viel Koffein wie eine Dose Cola mit 0,3 Litern.
Für Neil Stanley ist das kalter Kaffee. Er leitet die Schlafforschung der Abteilung Psychopharmakologie an der englischen Universität von Surrey. "Wir wissen seit Jahrhunderten, dass koffeinhaltige Getränke den Menschen munter machen." Weil Koffein zweifach wirkt - körperliche Erschöpfung mindert und die Wachheit steigert -, führt es die weltweite Liste der beliebtesten stimmungsverändernden Drogen an, noch vor Nikotin und Alkohol. Die Droge findet sich nicht nur beim Frühstück und in Coffee-Shops, sondern auch in Diättabletten und Schmerzmitteln.
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Und sie sind die einzige abhängig machende psychoaktive Droge, die wir auch unseren Kindern vorsetzen, in Cola und Schokolade. In den Industrieländer kommen die meisten Babys mit Spuren von Koffein im Körper zur Welt. Es wird über die Nabelschnur der Mutter übertragen. Manche Wissenschaften und Repräsentanten des Gesundheitswesens machen sich Sorgen wegen der weiten Verbreitung von Koffein. Der Allgemeinheit ist das gleichgültig. Der Absatz von Red Bull und Nachahmerprodukten mit Namen wie Red Devil oder Flying Horse blüht. Gleichzeitig schießen überall auf der Welt neue Coffee-Shops aus dem Boden. An jedem Werktag eröffnet allein das Unternehmen Starbucks irgendwo auf der Erde vier neue Läden und stellt 200 Mitarbeiter ein.
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