Mehr als ein Urknall?

Artikel vom 01.05.2005  —  Autor: Marcia Bartusiak

Auch Genies möchten gelegentlich noch Kinder sein. Am 29. Januar 1931 ließen sich Albert Einstein, der bedeutendste Physiker der Welt, und der berühmte Astronom Edwin Hubble in die Ledersitze eines schnittigen Pierce-Arrow-Tourenwagens sinken, um sich zur Sternwarte auf dem Mount Wilson nahe Pasadena in Südkalifornien chauffieren zu lassen. Hier hatte Hubble seine größten astronomischen Triumphe gefeiert. Mit Hilfe des für die damalige Zeit riesigen 2,5-Meter-Spiegels war 1924 der Nachweis gelungen, dass unsere Galaxie nur eines von zahllosen "Inseluniversen" in den Weiten des Alls ist. Fünf Jahre später, nachdem Hubble die Bewegungen dieser spiralförmigen Scheiben und Sternenhaufen lange genug verfolgt hatte, kam er zu einem noch erstaunlicheren Schluss: Das ganze Universum dehnt sich aus, und als Folge davon entfernen sich die Galaxien immer weiter voneinander.

An diesem sonnigen Januartag nun kletterte der 51-jährige Einstein wie ein Junge auf dem Gerüst des Teleskops herum und erkundete begeistert seine technologischen Details. Seine Frau Elsa wartete nahebei. Als jemand ihr erklärte, dass man mit dem Reflektor die Gestalt des Universums bestimmen könne, soll sie geantwortet haben: "Na und? Das macht mein Mann auf der Rückseite eines alten Briefumschlags." Hier sprach nicht nur die stolze Ehefrau: Schon Jahre ehe Hubble die Ausdehnung des Kosmos entdeckte, hatte Einstein die Allgemeine Relativitätstheorie entwickelt, mit der sich dieses Phänomen erklären ließ. Wohin die Astronomen ihre Beobachtungen heute auch immer führen - von der nahen Sonne bis zu den Schwarzen Löchern entfernter Galaxien -, immer betreten sie Einsteins Reich, in dem die Zeit relativ ist, Masse und Energie austauschbar sind, der Raum sich dehnen und krümmen kann. "Seine Allgemeine Relativitätstheorie beschreibt, wie unser Universum entstanden ist, wie es sich ausdehnt und wie seine Zukunft sein wird", sagt der Astronom Alan Dressler von der Carnegie-Sternwarte in Pasadena. Anfang, Mitte und Ende des Universums: "Seine große Idee verbindet alles."


(NG, Heft 5 / 2005)
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