In Deutschland bekennen sich nach Schätzungen der Deutschen Buddhistischen Union (DBU) mehr als 200 000 Menschen zum Buddhismus, etwa die Hälfte davon Einwanderer aus asiatischen Ländern. Wie dort hat diese Religion auch bei uns viele Erscheinungsformen und wird in allen erdenklichen Graden von Ernsthaftigkeit gelebt - vom Mönchtum bis zu Leuten, "die sich von der exotischen Verzierung leiten lassen", wie die DBU-Vorsitzende Sabine Thielow feststellt. In Berlin gibt es das größte Shaolin-Zentrum außerhalb Chinas; Zen-Buddhisten haben einen ehemaligen Gutshof im schleswig-holsteinischen Schönböken für ihre Zwecke umgestaltet; die Theravada-Buddhisten betreiben eigene Retreats. Müde Manager lernen in Zen-Kursen Gelassenheit und ganzheitliche Führung, und in Berlin wird nachmittags an zwei staatlichen Schulen unterrichtet, was es mit dem Buddha, dharma und sangha (seiner Lehre und der Gemeinschaft der Gläubigen) auf sich hat. Für die Grundschüler gibt es Buddhas als Comic.
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Seinen Anfang nahm der Buddhismus in Deutschland viele tausend Kilometer entfernt an der Wolga, wo sich auf Geheiß der russischen Zarin Katharina II. vor knapp 250 Jahren deutsche Siedler niedergelassen hatten. Von deren Kolonie Sarepta aus versuchten Herrnhuter Christen vergeblich, die benachbarten buddhistischen Kalmücken zu bekehren, aber die Mission brachte einen bedeutenden Wissenschaftler hervor: den Sprachforscher Isaak Jakob Schmidt (1779-1847), der zum ersten Mal historische und buddhistische Texte ins Deutsche übertrug. Zu seinen Lesern gehörte auch Arthur Schopenhauer (1788-1860), der Begründer der Mitleidsethik. Weil der Willen des Menschen von Egoismus und Überlebenstrieb bestimmt sei, gebe es viel Leid, schrieb der Philosoph. Davon könne der Mensch loskommen, indem er sich in seinem Denken dem Diktat des Willens entziehe und Mitleid mit anderem Leben entwickle. Viele seiner Überlegungen fand Schopenhauer im Buddhismus wieder, er bezeichnete sich selber als "Buddhaisten" - und gilt seither als Wegbereiter dieser Weltanschauung in Deutschland.
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