Für Saul, den König von Israel, war es kein guter Tag. Er hatte sein Heer hinab in die Hügel von Efes-Dammim geführt - wo ihn der Feind schon erwartete: die Philister. Sie waren tief in das Kernland der israelitischen Stämme vorgedrungen, selbstbewusste Krieger, hochgerüstet und weit überlegen, denn sie kannten das Geheimnis eines neuen, harten Werkstoffs, des Eisens, aus dem sie ihre Waffen schmiedeten.
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Dagegen sah Sauls Truppe erbärmlich aus: ein zusammengewürfelter Haufen von Schaf- und Ziegenhirten, Oliven- und Weinbauern, ein paar Handwerkern und Händlern. Eine Miliz, im Kriegshandwerk wenig geübt. Ihre Bewaffnung setzte sich aus dem zusammen, was seit alters in den Hütten hing - Bronzeschwerter, Speere, Dolche und Schleudern, ein paar Jagdbogen. Amateure standen gegen Professionelle. Immerhin taugte die Stellung des Königs gut zur Verteidigung. Saul hatte seine Leute auf dem Kamm eines Bergs postiert. Den gegenüberliegenden Hang besetzten die Scharen des Gegners.
Keiner wollte ins Tal dazwischen vorrücken, denn der Angreifer hätte sich um seinen Vorteil gebracht. Eine Pattsituation. Dann besannen sich die Philister auf ihren stärksten Mann: Goliat, die Kampfmaschine. Die Bibel beschreibt ihn als drei Meter hohen Riesen ("... sechs Ellen und eine Hand breit groß", 1. Sam. 17,4), der alles an Bewaffnung hatte, wovon die Israeliten nur träumen konnten: Helm und Panzer, Beinschienen und Schild, Lanze und Schwert. Und bei jedem Stück hebt der Text hervor, dass es - schier unglaublich - aus dem kostbaren Eisen gearbeitet war! Goliat forderte die Israeliten zum Zweikampf. Doch keiner, nicht einmal Saul, den sie doch wegen seiner Tapferkeit zum König gewählt hatten, wagte es, gegen ihn anzutreten.
Bild: Design: Dorit Harel Designers, Fotografiert im Corine Maman Ashod Museum, Konzept: Renee van Sivan (Kurator) Vergrößern
Tag für Tag das gleiche Schauspiel: im Tal Goliat, der seinen Spott und Hohn hinaufbrüllte, oben am Berg die Israeliten, die sich "entsetzten... und fürchteten" (1. Sam. 17,11). Die Erlösung kam ausgerechnet in Gestalt eines Hirtenknaben. David, ein Jüngling mit lockigen Haaren und unschuldigem Blick, wollte eigentlich nur etwas Proviant für seine im Heer dienenden Brüder vorbeibringen - und stellte sich zur Verfügung.
Jeder weiß, wie die Geschichte ausging. Ohne Rüstung, nur mit einer Schleuder und fünf Kieselsteinen bewaffnet, doch im Vertrauen auf Gottes Hilfe, trat David dem Riesen Goliat entgegen, tötete und enthauptete ihn. Der Sieg des Schwachen über den Starken. Das Gute gegen die Macht des Bösen. Keine Episode aus Davids Leben ist so sprichwörtlich geworden, hat die Bildwelt des Abendlands in einem solchen Maße beeinflusst wie diese berühmte biblische Szene. Aber hat sie tatsächlich stattgefunden?
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