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Die Wettervorhersage klingt gut: ein paar Wolken, schwacher Westwind. Am Morgen ist der Himmel sogar wolkenlos, die Sonne strahlt über dem See. "Der perfekte Tag zum Heiraten", erinnert sich die Brautmutter Suzanne LaBombard. An diesem Samstag im Sommer des Jahres 2004 lassen sich Carrie und Jason Guyette auf einer Insel im Lake Champlain im amerikanischen Bundesstaat Vermont trauen. Nach dem Kuss der Frischvermählten ändert sich das Wetter. "Der Wind drehte und wurde stärker", erzählt Jason Guyette, "aber nicht so, dass man sich Gedanken machen musste." Das Brautpaar klettert in eine offene Kutsche, zu einer Fahrt über die Insel. Bald bläst es so stark, dass sich die Braut um ihren Schleier und die Kutscherin um ihre Pferde sorgt.
"Ich konnte den Rand der Wetterfront deutlich sehen", berichtet Guyette. "Sie schien etwa drei Kilometer südlich zu liegen." Sie fahren zurück. Die meisten der 200 Hochzeitsgäste haben sich am großen Festzelt versammelt. Seine Wände flattern im Wind. Ein oder zwei kleine Heringe haben sich gelöst, aber das Zelt ist mit Stangen mehr als einen Meter tief in der Erde verankert. "Das hält", sagt der Discjockey. Der Bräutigam dreht sich um, geht vier Schritte. Hinter sich hört er ein gewaltiges Rauschen. Ein einzelner Windstoß reißt das Zelt aus dem Boden und fegt es über seinen Kopf hinweg. Zwei Meter lange Zeltstangen fliegen wie Speere durch die Luft. Porzellan und Glas gehen zu Bruch.
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Ein neun Meter langer Zeltmast schießt quer über den Rasen. Familienangehörige und Gäste ducken sich oder werfen sich zu Boden. Die Bö dauert nur Sekunden. Sieben Menschen werden von umherfliegenden Stangen und Glasscherben getroffen. Die Großmutter des Bräutigams wird ins Krankenhaus gebracht. Dort erliegt sie ihren schweren Verletzungen. Das Wetter hat zwei Gesichter. Es kann über einem halben Kontinent mehr oder weniger gleich sein - und gleichzeitig von Ort zu Ort extrem verschieden und kurzfristig wandelbar. Was uns am meisten interessiert, ist das Wetter vor unserer Haustür. Deshalb verlangen wir von den Meteorologen fast Unmögliches: Sie sollen das Geschehen in der gesamten Erdatmosphäre verstehen - und uns sagen, was wir konkret zu erwarten haben.
Bild: Jay Dickman und Luke Reymond Vergrößern
An einem bestimmten Ort, zu einer bestimmten Zeit. Dank verbesserter Instrumente und stärkerer Computer können die Wetterbeobachter heute viel weiter in die Zukunft blicken als noch vor kurzem. "Zehn Jahre Forschungsarbeit schieben den Vorhersagezeitraum um einen Tag nach vorn", sagt Udo Gärtner, der Präsident des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach am Main. "Brauchbare Vorhersagen kann man heute über sieben bis zehn Tage treffen." Ob es in einer Region regnen wird, können die DWD-Meteorologen im statistischen Mittel zum Beispiel rund zehn Tage im Voraus sagen. Eine Angabe über die Sonnenscheindauer ist über sieben Tage, über die Windstärke fünf Tage im Voraus möglich.
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