Das Geheimnis der tätowierten Mumie

Artikel vom 01.08.2006  —  Autor: A. R. Williams  —  Bilder: Ira Block

Die Moche balsamierten ihre Toten nicht ein. Die meisten Leichen verwesten einfach, nur blanke Knochen blieben zurück. Doch einige wenige Verstorbene wurden für das Jenseits vorbereitet - wie die tätowierte Frau, deren kunstvoll eingewickelten Überreste im vergangenen Jahr an einer Kultstätte namens El Brujo ("Der Zauberer") an der Nordküste Perus entdeckt wurden. Mehr als 1000 Jahre vor den Inka war ihr Volk an die Macht gekommen und hatte eine Zivilisation begründet, die heute für ihre feine Keramik und meisterhafte Metallbearbeitung bekannt ist.

Eine Autopsie der Mumie erwies, dass die Unbekannte mindestens ein Kind zur Welt brachte und keine 30 Jahre alt wurde. Nur die Ursachen ihres Todes bleiben im Dunkeln. Ihre Angehörigen bestatteten sie in vollem Ornat auf dem Gipfel einer Tempelanlage, dem Schauplatz blutiger Opferrituale. Der Leichnam wurde mit Zinnober bestrichen, dann in Baumwollstoff gewickelt und mit einer dicken Lehmziegelschicht bedeckt.

Das trockene Klima der Wüste ließ den Körper der Toten allmählich austrocknen. Nie wurde eine ähnliche Frau gefunden. "Wir nehmen an, dass sie eine Herrscherin war", sagt der Archäologe Régulo Franco, dessen Arbeit vom peruanischen Kulturinstitut und der Augusto-N.-Wiese-Stiftung gefördert wird. Das würde unser Bild von den Moche radikal ändern. Bisher hatte man angenommen, dass nur Männer über dieses Volk herrschten.

Die mysteriöse Mumie trug auffallenden Schmuck und zahlreiche Kriegsgegenstände bei sich. War diese Frau eine bedeutende Herrscherin? Schreiben Sie an leserbriefe@nationalgeographic.de und vergessen Sie bitte nicht, Ihre Anschrift anzugeben.


(NG, Heft 8 / 2006)
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