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Regen fällt wohl nur einmal alle 1000 Jahre: sintflutartige Güsse aus flüssigem Methan. Die giftige Luft trübt den Schein der Sonne zu einem orangefarbenen Dämmerlicht. Die Kälte - minus 179 Grad - ist tödlich. Am verhangenen Himmel hängt drohend der Planet Saturn. Und dennoch: Titan, der mit Abstand größte Mond des Saturn, ist eine Welt, die eine gespenstische Ähnlichkeit mit unserer eigenen hat. "Titan ist eine Peter-Pan-Welt", sagt Tobias Owen vom Astronomischen Institut der Universität von Hawaii. "Er besitzt alle Stoffe und Elemente, um sich zu einem Planeten wie die Erde zu entwickeln", fährt er fort. "Er hatte nur nie die Chance, erwachsen zu werden." Seine dichte Atmosphäre ist mit Kohlenwasserstoff-Smog gesättigt "wie Los Angeles an einem schlimmen Tag", sagt Owen. Die seltenen Methan-Monsune lassen Flüsse entstehen, die tiefe Rinnen in die flachen Hügel des Titan spülen und sich in eine große, sandige Ebene ergießen.
Wie auf der Erde könnte es auch auf diesem Saturnmond geologische Aktivitäten und Vulkanismus geben - eine langsame, kalte Version, bei der es zu Ausbrüchen eines zähflüssigen Gemischs aus halb geschmolzenem Wasser und Ammoniak kommt. Am meisten verblüfft jedoch die Beobachtung, dass die sanften Titanwinde ein üppiges Gebräu aus organischen Molekülen transportieren, von denen einige an die Stoffe erinnern, die das Ausgangsmaterial für die Entstehung des Lebens auf der Erde waren.
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Der Planetenwissenschaftler Owen und seine Kollegen waren es gewohnt, sich Titan nur in ihrer Phantasie auszumalen. Jetzt haben sie ihn besucht, wenn auch nur mittels Fernsteuerung. Seit zweieinhalb Jahren ist die Raumsonde "Cassini" mit den Monden und Ringen des Saturn auf Tuchfühlung. Kurz nach ihrem Eintreffen hat "Cassini" sogar eine zweite, kleinere Sonde mit dem Namen "Huygens" abgesetzt, die auf der Oberfläche des Titan gelandet ist.
Die Expedition zum Titan war Höhepunkt einer Reise, die buchstäblich in die Vergangenheit führte. Denn der Saturn verspricht neue Erkenntnisse darüber, wie das Sonnensystem vor 4,6 Milliarden Jahren entstand und wie es Leben hervorbrachte. Hinweise darauf liefern exotischer metallischer Wasserstoff in seinem Inneren genauso wie die feinen Gesteins- und Eisbrocken seiner Ringe bis hin zu seinen Monden, die so unterschiedlich sind wie der eisige Phoebe und Enceladus mit seinen heißen Geysiren.
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Nun können die Wissenschaftler den Saturn endlich aus der Nähe betrachten, dank der Planetensonde Cassini-Huygens. Das ist ein 6,7 Meter hoher Metallzylinder, vollgepackt mit wissenschaftlichen Instrumenten und bestückt mit einer großen Antenne, ein Gemeinschaftsprodukt der amerikanischen, europäischen und italienischen Weltraumagenturen Nasa, Esa und Asi. Die Doppelsonde wurde 1997 gestartet und erreichte ihr Ziel, den Saturn, am 30. Juni 2004. Mindestens vier Jahre lang sollte sie von da an das Planetensystem erkunden.
Als sich "Cassini" dem Ende ihrer dreieinhalb Milliarden Kilometer langen Reise näherte, verlangsamte die Sonde ihr Tempo und ließ sich von der Schwerkraft des Saturn einfangen. Sie zündete ihre Bremstriebwerke, sank hinunter und näherte sich den karamellfarbenen Wolken bis auf 20 000 Kilometer, mit einer riskanten Passage durch die äußeren Ringe. Sie sehen aus der Ferne zwar schön rund aus, tatsächlich aber sind es Schwärme aus Fels- und Eisbrocken von der Größe eines Reiskorns bis zu der eines Hauses. Wäre die Sonde "Cassini", als sie mit einer Geschwindigkeit von mehr als 100 000 Kilometern pro Stunde eine Lücke zwischen den Ringen passierte, von nur einem Stein getroffen worden, hätte dies das Ende der 3,4 Milliarden Dollar teuren Mission bedeuten können. Doch die Sonde schwenkte heil in die Umlaufbahn ein und begann, sich umzusehen.
Forscher erhoffen sich von Milliarden teuren Missionen wichtige Informationen über die Entstehung des Lebens. Denken Sie, dass zukünftig mehr oder weniger Geld für solche Projekte zur Verfügung stehen sollte? Schreiben Sie an leserbriefe@nationalgeographic.de und vergessen Sie bitte nicht, Ihre Anschrift anzugeben.
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