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"Dies ist nicht unser Wetter", sagt Jens Danielsen. "Dieses Wetter gehört woandershin." Der Jäger kniet auf seinem Hundeschlitten, der über die glitzernden Zacken des zugefrorenen Meeres holpert. "Harru, harru, nach links, nach links!", schreit er. Dann: "Atsuk, atsuk, nach rechts, nach rechts!" Seine Stimme klingt angespannt. Vorsichtig suchen sich die 15 Hunde seines Gespanns einen Weg zwischen offenen Wasserrinnen und aufgetürmten Eisschollen. Trotz der bitteren Märzkälte ist die Eisfläche schon zersprungen und macht das Vorankommen gefährlich. In einem normalen Winter erreicht das Eis den Nordwesten Grönlands im September und hält sich bis in den Juni hinein.
Doch in den vergangenen paar Jahren gab es nur drei oder vier Wochen, in denen das Meereis fest war und die Grönländer gut jagen konnten. "Früher war es immer fast einen Meter dick", sagt Jens Danielsen. "Heute sind es gerade mal zehn Zentimeter." Jens ist 45 Jahre alt und groß wie ein Bär. Ein kluger Kopf mit einem freundlichen, jungenhaften Gesicht. Er lebt in Qaanaaq, einem Dorf mit ungefähr 650 Einwohnern auf dem 77. nördlichen Breitengrad. Bunt gestrichene Häuser schmiegen sich dort an einen Hang mit Blick über den Fjord. Zusammen mit seinen Schwägern Mamarut Kristiansen, Gedion Kristiansen und Tobias Danielsen, von denen jeder ein eigenes Schlittengespann hat, ist er jetzt unterwegs zum Eisrand am Smith Sound.
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Dort wollen sie Walrosse jagen - so, wie es die Menschen hier seit vielen Generationen machen. Jens hat 57 Hunde und eine Großfamilie zu ernähren und wird mehrere der mächtigen Meerestiere erlegen müssen, um überhaupt Fleisch mit nach Hause zu bringen. Vor dem Aufbruch hat er eine aktuelle Eiskarte studiert, die ihm das dänische Meteorologische Institut zugefaxt hatte. Auf ihr waren riesige offene Wasserflächen bis hinauf nach Siorapaluk, der nördlichsten Siedlung dieser Ureinwohner, zu erkennen. Schlechte Nachrichten für die Jäger - und ein nicht minder schlechtes Zeichen für das Ökosystem. Die Karte macht die Folgen der Erderwärmung sichtbar: In den vergangenen Jahrzehnten ist die Temperatur auf Grönland doppelt so stark angestiegen wie im weltweiten Durchschnitt.
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Die an manchen Stellen mehr als drei Kilometer dicke Eisschicht der Insel schwindet so schnell wie nie zuvor in den vergangenen 50 Jahren. Wenn die Decke aus Schnee und Eis schmilzt, nimmt die Erde mehr Wärme auf - der Meeresspiegel steigt. Biologen zufolge befindet sich das gesamte Ökosystem der Arktis im Zusammenbruch. Ohne Meereis haben die Robben keine Bänke mehr, auf denen sie rasten, fressen und ihre Jungen zur Welt bringen können. Walrosse finden keinen Platz auf dem Treibeis, wo sie sich ausruhen und ihre Muschelmahlzeiten verdauen können. Eisbären können keine Robben fangen, und Jäger wie Jens und seine Verwandten können nicht mehr auf die Jagd gehen.
Wird der Lebensraum der Grönländer bald ganz verschwunden sein? Was könnte man tun, um ihnen zu helfen? Senden Sie uns Ihre Meinung an leserbriefe@nationalgeographic.de. Bitte vergessen Sie nicht, Ihre Anschrift anzufügen.
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