Heute ist der zehnte Tag unseres Vermessungsflugs im Niger und der 187. Tag, seit J. Michael Fay und sein Chefpilot Peter Ragg von einem Flugfeld in Südafrika starteten, um sich in dieses neue Abenteuer ökologischer Geländeerkundung zu stürzen. Wegen der Ähnlichkeiten mit Fays Megatransect -Projekt trägt es den vorläufigen Namen Megaflyover. Nein, Michael Fay ist nicht zum Weichei geworden. Mit dem Buschflugzeug zu reisen statt sich zu Fuß über Hunderte von Kilometern durch Schwarzwassersümpfe und dorniges Dickicht zu quälen, war keine Entscheidung für Sicherheit und Bequemlichkeit. Es erweitert vielmehr den Blickwinkel für das gesamte Unternehmen zu Gunsten der Natur in Afrika. "Megatransect" war eine einzige lange Expedition durch einige der wildesten Wälder Zentralafrikas. "Megaflyover" ist ein Marathon von Tiefflügen über einen großen Teil des Kontinents von Kapstadt bis Tanger.
Trotz der Unterschiede in der Art der Fortbewegung und der zurückgelegten Strecke haben beide Projekte einen ähnlichen Zweck: das systematische Sammeln von vielen Daten über den Zustand unberührter Landschaften und über die Veränderungen, die jetzt und in Zukunft durch Menschen hervorgerufen werden. Fay wird nicht nur von Neugier getrieben. Sein jüngstes Engagement ist eng mit der großen Initiative The Human Footprint der Wildlife Conservation Society verbunden. Zu diesem Projekt gehört auch das ehrgeizige Programm einer mehrdimensionalen Kartierung. Auf diese Weise soll der Grad von Unberührtheit und menschlichem Einfluss auf der ganzen Welt dokumentiert werden, damit die WCS ihre Naturschutzvorhaben gezielter angehen kann. Fay, ein rastloser Individualist mit dem erstaunlich guten Gespür für politische Einflussnahme und Umsetzung, will dazu beitragen, dass die Menschen die Ökosysteme und natürlichen Ressourcen der Erde anders und mit größerer Achtung vor der Natur betrachten und nutzen.
Das eigentliche Ziel seines Projekts sei es, die Machthaber davon zu überzeugen, "dass es sehr, sehr klug und zudem eine gute Investition ist", die Frage des Umgangs mit den natürlichen Ressourcen bei politischen Entscheidungen mit zu bedenken. Wo auch immer Menschen in großer Dichte leben und die Umwelt übermäßig stark beanspruchen, ist nach Fays Worten schließlich ein ökologischer Zusammenbruch zu beobachten, führen Spannungen und ungestillte Bedürfnisse zu Konflikten - in Darfur (Sudan) ebenso wie in Ruanda und Simbabwe. Man muss nur hinter die Schlagzeilen, hinter die Stammes- und Rassenkonflikte und die Auseinandersetzungen über die Ressourcen blicken. Fay ist ein Sammler kleiner Fakten, der gern in großen Dimensionen denkt.
Im Moment beschäftigen ihn strategische Sicherheitsfragen, die untrennbar mit Wasser und Bodennutzung, Bodenschätzen, Flora, Fauna und ökologischem Gleichgewicht verbunden sind. Aus diesem Grund plante er "Megaflyover". Der Ökologe ist selber Pilot und weiß, wie gut Tiefflüge geeignet sind, um Landnutzungen zu dokumentieren. Der Blick aus dem Buschflugzeug lässt Muster erkennen, die vom Boden aus nicht wahrzunehmen sind. Außerdem ermöglicht erst das Fliegen, die Aufnahme von Daten flexibel zu steuern. Als Fluggerät bot sich eine umgerüstete Cessna 182 an. Und als Region kam nur Afrika in Frage - der Kontinent, den Fay nach 25 Jahren Arbeit am besten kennt und besonders liebt.
Afrika besteht aus einer Million Orten. Seine Geschichte ist so tief wie präkambrisches Gestein, seine Landschaften sind unterschiedlicher als die jedes anderen Kontinents der Erde. Es gibt hier 47 Staaten (Madagaskar und andere Inseln nicht mitgezählt) und Hunderte von Stämmen und Ethnien - eine Gesamtbevölkerung von 900 Millionen Menschen. Man kann Afrika auch als Ansammlung von 104 terrestrischen Ökoregionen sehen, deren Naturraum und Klima jeweils einzigartig ist und wo es eine spezielle Pflanzen- und Tierwelt gibt. Diese Regionen enden oft nicht an staatlichen Grenzen. Trotz aller Unbilden bringen Afrikaner herrliche Kunstwerke, reiche Kulturen und phantastische Musik hervor. Es gibt großartige Ideen und bemerkenswerte Taten, die politischen und moralischen Mut beweisen. Im imperialistischen Jargon nannte man Afrika einst den "schwarzen Kontinent". Das war dumm und blind und überdies falsch. Afrika ist ein strahlender Kontinent von bemerkenswerter Vielfalt.
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