Die Rinderhirten, die im Pantanal ihren Lebensunterhalt verdienen, haben ein unvergleichliches Repertoire an Wörtern für Lehmböden. Der ganz gewöhnliche Lehm heißt - wie überall in Brasilien - lama, barro oder lodo. Doch schon der nackte Boden, auf dem sich Rinder um ein Gatter drängen, hat einen eigenen Namen: maiadô. Ebenso die mit tiefen, scharfkantigen Hufabdrücken übersäte Fläche, genannt brocotó. Selbst für die Jahreszeit, die den Schlamm bringt, gibt es im Pantanal einen eigenen Begriff: cheia, die "Volle". Dann steht dieses riesige Feuchtgebiet mindestens knietief, manchmal hüfthoch und höher unter Wasser. Auch auf Beatriz Rondons fazenda Santa Sophia. In der Trockenzeit erstreckt sich hier eine fließende Prärie mit hohen Gräsern - aber während der cheia saugt der teuflische Sumpf namens brejo die Hufe buchstäblich ein.
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Der Morgen graut, unsere Pferde stapfen durch den tiefen Schlamm, bis zum Widerrist in graubraunem Wasser. Rinder sind keine zu sehen, dafür Jabiru-Riesenstörche und Waldstörche, Rosalöffler und Schneckenweihen. An der Wasseroberfläche treiben zwischen hellgrünen Gräsern träge die allgegenwärtigen Kaimane. Meine Stute stößt gegen eines der Krokodile, scheint im Gegensatz zu mir aber keineswegs beunruhigt, und der Kaiman gleitet mit starrem Blick davon. Es ist ein mühsamer Ritt. Die Papageien auf ihren Schlafplätzen oben in den Palmen haben noch nicht einmal ihre kreischenden Morgennachrichten beendet, da sind mein Pferd und ich bereit in Schweiß gebadet und mit Matsch bedeckt. Sonderbar, dass es für diese klebrig-graue Schmiere keinen Namen gibt. Am frühen Nachmittag erreichen wir einen etwas höher gelegenen Waldstreifen. Durchdringender Gestank weht uns entgegen. Als wir näher kommen, suchen zwei Dutzend Geier flatternd das Weite. Wir steigen ab, und die 64-jährige Beatriz, "Bia" genannt, ihr Aufseher Urbano Vilalba, zwei Rinderhirten, die Zoologin Marion Marcondes und ich gehen immer der Nase nach in den düsteren Wald.
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Bald stoßen wir auf den Kadaver eines Zebus. Es ist acht Meter von der Stelle weggeschleppt worden, an der Vilalba ihn am Tag zuvor gefunden hat. Der Aufseher war hier draußen, um Rinder zu treiben, als kreisende Geier seine Aufmerksamkeit weckten. Jetzt liegt das Tier am Rand des Sumpfs, halb versunken, verfärbt und aufgebläht. Der Kadaver wimmelt von Maden. Vor zwei Tagen noch war dies ein prächtiger cremefarbener Bulle, eine halbe Tonne schwer, mit Höcker und langen Hörnern, nach aktuellem Rindfleischpreis umgerechnet 360 Euro wert. Dass ein Jaguar ein Rind schlägt, ist im Pantanal an sich nichts Besonderes. Gewöhnlich geht es so: Der Viehzüchter wird durch Geier aufmerksam, holt sich einen professionellen Jaguarjäger, der die Spur der Wildkatze mit einem Rudel Jagdhunden aufnimmt, das Tier schießt und die Überreste den Aasfressern überlässt.
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In Brasilien ist die Jagd auf Jaguare heutzutage zwar verboten, doch in dieser entlegenen, weitgehend unbevölkerten Gegend ist sie noch gang und gäbe. "Kriegt ja ohnehin keiner mit", erzählt mir einer. Dieses Mal wird es keinen Jaguarjäger geben. Bia hat mit einer Naturschutzorganisation, die die bedrohten Wildkatzen im Pantanal retten will, einen Vertrag geschlossen. Die Zoologin Marion Marcondes begleitet uns, um zu bestätigen, dass es ein Jaguar war, der einen von Bias Bullen tötete. Sie wird Meldung machen, und Bia wird für ihren Verlust entschädigt werden - "teilentschädigt", wie sie anmerkt. Im Gegenzug muss die Viehzüchterin den Jaguar am Leben lassen. "Ich liebe die Jagd auf diese Katzen", sagt sie. Ihr Großvater hat hier bereits 1892 Ansprüche auf ein riesiges Stück Land angemeldet. "Und ich mag es überhaupt nicht, wenn Fremde mir sagen, was ich zu tun und zu lassen habe. Aber wir müssen nach vorn schauen. Das Pantanal verändert sich. Und ob wir es wollen oder nicht: Auch wir pantaneiros müssen uns ändern."
Sind Sie auch der Meinung, dass die pantaneiros sich ändern sollten? Oder wäre es nicht besser, wenn sich Fremde bei der Entwicklung des Gebietes heraushielten und im Pantanal alles beim Alten bliebe? Senden Sie uns bitte Ihre Meinung unter Angabe Ihrer Anschrift an leserbriefe@nationalgeographic.de.
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