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Jeder hat die Possen der Libellen an einem heißen Sommertag schon einmal beobachtet. Irgendwo an einem schilfbewachsenen Teichufer ist ein Pachydiplax longipennis hinter einem Weibchen her - sie sehen aus wie zwei leuchtende Striche. Oder eine getigerte Quellnymphe stürzt herab, lässt kreisend ihre hauchdünnen Flügel aufblitzen, um sich gleich darauf mit einem Männchen zusammenzutun und gemeinsam in die blaue Luft aufzusteigen. Oder ein ineinander verkralltes Pärchen von Edellibellen schwebt wie ein einziges Tier über dem dunklen Wasser; das Männchen zieht das Weibchen hinter sich her, schießt vorwärts und wieder zurück, dann geradewegs in die Höhe - mit einer Mühelosigkeit, von der Piloten nur träumen können.
Für uns sehen die Balz- und Paarungsrituale der Libellen harmlos, ja sogar romantisch aus. Betrachtet man das Spiel aber genauer, entpuppt es sich als gar nicht so angenehme Geschichte. Ein gutes Beispiel ist die Gebänderte Prachtlibelle (Calopteryx splendens). Ihre Männchen sparen sich die Partnerwerbung manchmal völlig und schnappen sich einfach ein Weibchen, das sich gerade nichtsahnend in der Sonne wärmt und vielleicht noch nicht einmal geschlechtsreif ist. Andere trennen ein kopulierendes Paar durch Stoßen, Zerren und Beißen; sie werden "Diebe" genannt.
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Wieder andere lauern im Wasser, stürzen sich während der Eiablage auf das Weibchen und machen mit ihm, was sie wollen, selbst wenn es dabei ertrinkt. Die Weibchen wiederum versuchen, den Aufdringlichkeiten mit Loopings, Zickzackflügen, Auf- und Abwärtsspiralen, Untertauchen oder schneller Flucht zu entgehen. Manchmal setzen sie sich auch zur Wehr. Mit tödlichen Folgen. Wozu ein solcher Geschlechterkrieg? Einen Anhaltspunkt haben die Wissenschaftler: Sie beobachten bei Libellen eine bizarre Mischung aus Kooperation und Konflikt, Instinkt und Erfahrung. Damit lassen sich nicht nur die eigenartigen Paarungsgewohnheiten dieser Insektengruppe erklären, sondern auch deren atemraubende Farben- und Artenvielfalt.
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Als meine Großmutter jung war, wurden Libellen als "Stopfnadeln des Teufels" oder "Pferdestecher" bezeichnet. Sie galten als lästig, ja sogar gefährlich. Noch heute gibt man ihnen wenig schmeichelhafte Namen wie "Fingerschneider", "Pferdemörder", "Ohrstecker" und "Augenpinkler". Angeblich sind sie giftig, nähen einem die Lippen zusammen, kriechen in die Ohren und dringen ins Gehirn ein. Manche Leute meinen, dass sie stechen, beißen und sogar Unglück bringen. "Alles völliger Unsinn", sagt der Biologe Philip Corbet aus der englischen Grafschaft Cornwall. "Libellen sind weder lästig noch gefährlich. Außer für Mücken und für andere Libellen."
Generell schneiden Insekten auf der Beliebtheitsskala neben kuscheligen Konkurrenten wie dem Panda oder Langhaarmeerschwein eher schlechter ab. Wie steht es um Ihr Verhältnis zu den Libellen? Senden Sie uns bitte Ihre Meinung unter Angabe Ihrer Anschrift an leserbriefe@nationalgeographic.de.
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