Wolfgang Heckl ärgert sich. Der Generaldirektor des Deutschen Museums in München leitet auch eine Arbeitsgruppe für Nanowissenschaften an der Universität, ist Sprecher des Excellence Network NanoBioTechnology (ENNaB) - und Schüler des deutschen Nobelpreisträgers Gerd Binnig. Der hatte in den achtziger Jahren mit seinem Rastertunnelmikroskop und der Weiterentwicklung zum Rasterkraftmikroskop den Grundstein für die Technik gelegt, die gerade weltweit mit neuen Produkten unser Leben zu verändern beginnt. Darauf wird man doch mit berechtigtem Stolz hinweisen dürfen. Voller Begeisterung führt Heckl seinen Nanokicker vor, das kleinste Fußballspiel der Welt.
Nach dem gleichen Prinzip, wie die Spitze des Rastertunnelmikroskops einen Kohlenstoffball in ein atomares Tor aus Benzolringen schießt, wird man elektronische Schalter für Computer bauen, die klein wie eine Armbanduhr sind, aber die Leistung von einst zimmergroßen Rechnern haben. An ähnlicher Speichertechnologie bastelt in Hamburg der Mikrostrukturforscher Roland Wiesendanger, und in Münster optimiert der Physiker Harald Fuchs den Prozess sich selber organisierender Materie für - einfach gesagt - Nanocomputer, die sich selber bauen. Ganz vorn dabei stehen die Deutschen bei der Entwicklung von Nanomotoren. Das sind Maschinchen, mit denen man Medikamente durch die Zellwände hindurchschleusen kann, damit sie nur dort wirken, wo sie nötig sind - zum Beispiel, um Krebszellen zu zerstören. Das Risiko schädlicher Nebenwirkungen wird so vermindert.
Der Markt für nanotechnische Produkte scheint zur Zeit keine Grenzen zu kennen. Politik, Industrie und Wissenschaft schätzen das aktuelle geldwerte Potenzial auf jährlich 100 Milliarden Euro weltweit. In zehn Jahren soll es sich auf eine Billion Euro verzehnfachen. Alles in Ordnung also? Nicht ganz. Offen ist noch, mit welchen Risiken sich die Gesellschaft die Chancen der Nanotechnologie erkauft. Immerhin haben Industrie und Forschung aus dem Informationsdesaster um die Gentechnik eines gelernt: Innovationen können nicht gegen eine Öffentlichkeit durchgesetzt werden, die im Zweifel eher skeptisch reagiert.
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