Den Ozeanen geht es schlecht. Von der Grönlandsee im Norden bis zum südlichen Polarkreis treiben wir Raubbau an den Fischen. Seit 1900 sind die Bestände vieler Arten um 90 Prozent zurückgegangen, und es wird immer schlimmer. Fabrikschiffe plündern die Meere wie mit Staubsaugern. Viele Staaten ignorieren die Gesetze. Das hat Folgen: Familien im Senegal sitzen vor leeren Tellern, in Fischerdörfern sinkt die Einwohnerzahl, Speisekarten in Restaurants müssen umgeschrieben werden. Gleichzeitig werfen die "Fischer" der Fangflotten Millionen von toten Fischen als wertlosen Beifang wieder über Bord. Im Schwerpunktthema der April-Ausgabe 2007 von NATIONAL GEOGRAPHIC stellen wir die unschätzbaren ökologischen Verluste den vergleichsweise mageren Gewinnen gegenüber. Am Beispiel des majestätischen Großen Thunfischs, der bedenkenlos hingemetzelt wird, zeigen wir Umfang und Tragweite des Problems.
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Dass es auch anders geht, beweist ein Projekt in Neuseeland: Dort hat ein unnachgiebiger Biologe gegen viele Widerstände ein Meeresschutzgebiet eingerichtet. Er plädiert vehement für eine neue Ethik der Ozeane. Die Meere, sagt er, sind nicht dazu da, vom Menschen geplündert zu werden, sondern sie sind Teil einer globalen Lebensgemeinschaft, zu der auch wir selber zählen.
Durch die Weltmeere schwimmt kein prächtigerer Fisch als der Große Thun (Thunnus thynnus). Er wird mehr als dreieinhalb Meter lang, wiegt an die 700 Kilo und kann 30 Jahre alt werden. Dank seiner exquisiten Stromlinienform schießt er mit bis zu 40 Stundenkilometern durch das Wasser und kann fast einen Kilometer tief tauchen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Fischen hat er einen Warmblüterkreislauf und durchstreift die Meere von der Arktis bis in die Tropen. Früher wanderten die Großen Thunfische zu Millionen durch Atlantik und Mittelmeer. Ihr Fleisch war für die Menschen so wichtig, dass sie sein Bild an Höhlenwände malten und auf Münzen prägten.
Der Große oder Atlantische Thunfisch hat eine weitere außergewöhnliche Eigenschaft, und die könnte seinen Untergang bedeuten: Sein butterzartes Bauchfleisch gilt als die beste Sushi-Zutat der Welt. In den vergangenen Jahren verfolgte eine Hightech-Flotte, oft sogar geleitet von Aufklärungsflugzeugen, die Thunfische von einem Ende des Mittelmeers zum anderen. Zu Zehntausenden werden sie jedes Jahr gefangen, ein großer Teil davon illegal. In schwimmenden Käfigen werden sie dann gemästet, anschließend getötet, zerlegt und auf die Märkte für Sushi und Thunfischsteaks in Japan, Amerika und Europa verkauft. Mittlerweile droht dem Bestand der Zusammenbruch. Weder europäische noch nordafrikanische Behörden haben bisher Nennenswertes unternommen, um dem Gemetzel Einhalt zu gebieten.
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"Ich habe Angst, dass es schon zu spät sein könnte", sagt der spanische Meeresbiologe Sergi Tudela, der für den World Wide Fund for Nature (WWF) arbeitet. "Es könnte kommen wie mit den riesigen Büffelherden Anfang des 19. Jahrhunderts in Nordamerika. Was ist von ihnen geblieben? Heute erleben wir bei den Thunfischen das Gleiche. Und zwar vor unseren Augen." Die Dezimierung der Thunfischbestände ist ein trauriges Beispiel dafür, was heute in der weltweiten Fischerei abläuft: eine mit tödlicher Effizienz arbeitende Fangtechnologie, ein Schattenreich internationaler Konzerne, die gewaltige Gewinne machen, unzureichendes Management der Bestände, laxer Umgang mit Gesetzen, Gleichgültigkeit der Verbraucher gegenüber dem Schicksal der Fische, die er gern isst.
Aber die Weltmeere sind längst nicht mehr, was sie einmal zu sein schienen: unerschöpflich. Es gibt zwar einige wenige gut bewirtschaftete Fischbestände bei Alaska, Island und Neuseeland. Insgesamt ist die Zahl der Fische in den Weltmeeren aber auf einen Bruchteil dessen gesunken, was man vor 100 Jahren schätzte. Manche Meeresbiologen sagen, die Bestände seien um 80 bis 90 Prozent zurückgegangen, andere gehen nicht ganz so weit. In einem sind sich alle einig: In zu vielen Meeren machen zu viele Schiffe Jagd auf zu wenig Fische. Beliebte Arten wie der Kabeljau wurden von der Nordsee bis zur Georges Bank vor Neuengland stark dezimiert. Im Mittelmeer gelten zwölf Haiarten unter kommerziellen Gesichtspunkten als ausgestorben. Die Schwertfische, die dort früher so dick wie Telefonmasten wurden, werden heute als Jungtiere verzehrt, schlank wie ein Baseballschläger.
Bild: Randy Olson Vergrößern
Nachdem auf der nördlichen Erdhalbkugel viele Gewässer leer gefischt waren, dampften die Fangflotten nach Süden und plünderten dort die einst üppigen Fischgründe. Vor Westafrika vernichten einheimische wie ausländische Flotten die Bestände in den flachen Gewässern entlang der Küste. Damit rauben sie den Kleinfischern aus Ghana, Guinea, Angola, dem Senegal und anderen Ländern die wichtigsten Proteinlieferanten für ihre Familien. In Asien sind der Golf von Thailand und die Javasee so gut wie leer gefischt. "Die Ozeane leiden aus vielen Gründen, aber die Fischerei überschattet alles", sagt Joshua S. Reichert von den Pew Charitable Trusts, einer gemeinnützigen Stiftung in Philadelphia, die sich unter anderem für den Schutz der Ozeane stark macht. "Wenn wir die Ausbeutung der Meere nicht in den Griff bekommen, verlieren wir einen großen Teil des Lebens, das heute in den Ozeanen noch existiert.
Glauben Sie, dass die Ozeane noch zu retten sind? Und wenn ja, wie sollten die Rettungsmaßnahmen aussehen? Was können Sie persönlich tun? Schreiben Sie Ihre Meinung an leserbriefe@nationalgeographic.de und vergessen Sie bitte nicht, Ihre Anschrift anzugeben.
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