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Vier Wochen waren sie schon unterwegs im Hochgebirge des Altai. 28 Männer und Frauen. Russen, Mongolen und Deutsche. Im Tal des Flusses Olon-Kurin-Gol, mehr als 2500 Meter hoch, in einer der entlegensten Landschaften der Erde, die aussieht, als habe jemand in böser Laune alle Büsche und Bäume restlos abrasiert. Sie schliefen in Zelten, ertrugen Sonne und Sturm, Einsamkeit und Entbehrung. Die Forscher suchten nach Mumien aus der Skythenzeit. Die Grabung an einem ersten Hügel, 18 Meter im Durchmesser, erwies sich als Flop. Nur eine aus mächtigen Steinplatten errichtete Kiste mit schlecht erhaltenen Skelettresten. Ebenso der zweite Kurgan: vor langer Zeit beraubt. Der dritte Hügel hatte wohl einst als Gedenkstätte gedient, mehr als ein paar Tierknochen waren nicht zu finden. "Wir waren müde und erschöpft", erinnert sich Hermann Parzinger, der Präsident des Deutschen Archäologischen Instituts, an diese Tage im Sommer 2006.
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Sollten sie die Expedition abbrechen? Weitersuchen? Dann legten sie fest: Einen letzten Kurgan wollten sie noch öffnen. Noch einmal von Hand die Aufschüttung abtragen, Stein für Stein, manche zentnerschwer. "Ich war skeptisch", sagt Parzinger. "Aber plötzlich, in 1,40 Meter Tiefe, stießen wir auf Holzbalken. Und wir sahen Eis glitzern." Dieser letzte Spatenstich führte direkt ins 3. Jahrhundert v. Chr. Es war eine bewegte Zeit. 500 Jahre zuvor waren im Osten des sibirischen Steppengürtels nomadische Reitergruppen aufgetaucht, die es zu legendärem Ruhm und schauerlichem Ruf brachten. Ein halbes Jahrtausend lang beherrschten sie, die Skythen und mit ihnen verwandte Kulturen - Pazyryk, Saken, Sauromaten -, weite Teile Zentralasiens. Sie verbreiteten Angst und Schrecken vom Altai bis nach Ägypten und gelangten bis vor die Tore Europas. Ihre militärische Macht beruhte auf berittenen Reiterkriegern, die sich und ihre Pferde mit Tiersymbolen schmückten. Ihre aus verleimten Leisten hergestellten Bögen verliehen ihnen die gefürchtete Kampfkraft, ihre dreizackigen Pfeile rissen furchtbare Wunden.
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Das Leben dieser lokalen Stammesverbände war auf Mobilität ausgerichtet. Griechische und persische Quellen beschreiben diese Menschen, die aber selber keine Schrift kannten und kaum mehr hinterließen als ihre Grabhügel. Nur die Toten können uns heute noch von diesen antiken Kulturen erzählen. Wer als Archäologe erfolgreich sein will, braucht Instinkt - und die Hilfe der modernen Technik: Geoelektrik und Bodenradar, mit dem russische Geophysiker Dutzende Kurgane nach Eislinsen abgesucht hatten. In diesen Eisblöcken im Permafrost liegen die Mumien meist bestattet. Und so ist alle Mühsal vergessen, als Parzinger und sein russischer Kollege Wjatscheslaw Molodin aus Nowosibirsk das Eis leuchten sehen.
Schon bald stoßen sie auf eine intakte Grabkammer aus Lärchenstämmen. Darin liegt ein teilweise mumifizierter Körper, vollständig bekleidet mit Wollhose und Filzhaube, gehüllt in einen Pelzmantel aus Murmeltier-, Schaf- und Eichhörnchenfell sowie Pferdehaar. Der Kopf ist nach Südosten gerichtet, die Mütze geschmückt mit holzgeschnitzten Tierfiguren, teilweise mit Goldfolie überzogen. Ein Halsreif zeigt zwei Wölfe mit gefletschten Zähnen. In einem Fellsäckchen steckt ein Kamm, in einer Filztasche ein Bronzespiegel. Bewaffnet ist der Tote mit einem eisernen Dolch und einem Streitpickel, mit Holzpfeilen und einem 1,20 Meter langen Bogen. Von der Hüfte abwärts erweist sich der Körper des Verstorbenen als intakt. Rumpf und der größte Teil der Arme sind skelettiert, einige Knochen fehlen. Das Gesicht ist unkenntlich, am Hinterkopf hängt ein blonder Haarschopf, was Parzinger wenig überrascht: "Vor 2500 Jahren war dieser Teil Asiens von einer europiden Bevölkerung besiedelt. Hinweise auf blonde Menschen haben wir schon früher gefunden." Vor den Forschern liegen die Überreste eines Kriegers aus der Pazyryk-Kultur - und am Rand der Grabkammer die Knochen seiner Pferde.
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