Gemeinsam erfolgreich

Artikel vom 01.08.2007  —  Autor: Mark W. Moffett  —  Bilder: Mark W. Moffett

Vergessen Sie Löwen, Tiger und Bären. Vergessen Sie auch unsere eigene aggressive Spezies. In der Wucht ihres Angriffs sind die tropischen Armeeameisen unübertroffen. Mit messerscharfen Kiefern gehen sie auf Beute los, die viel größer ist als sie selber, dabei in Scharen operierend, deren Zahlen man kaum fassen kann. Eine Horde speerschwingender Menschen zu Füßen eines Wollmammuts - das gibt die Größenverhältnisse wieder, wenn Armeeameisen eine Vogelspinne oder einen Skorpion angreifen. Mit dem Unterschied, dass solch eine Kolonie täglich Zehntausende solcher Attacken startet. Volkstümlichen Legenden zum Trotz haben ihre Fähigkeiten aber auch Grenzen: Die Ameisen töten in der Regel weder Vieh noch Menschen - jedenfalls nicht, wenn sie es schaffen wegzulaufen.

Eine der besten Regionen, um Armeeameisen zu beobachten, ist Barro Colorado, eine Insel in einer seeartigen Ausbuchtung des Panamakanals. Dort leben rund 50 Kolonien von Eciton burchellii, der meistuntersuchten Armeeameise der Welt. Ihre Schwärme sind riesig: Sie zählen 300 000 bis 700 000 Tiere. Dabei sind sie mobil und verlagern regelmäßig ihr Nest. Ihre Jagdstrategie ist der Überraschungsangriff. Während andere Ameisen einzeln nach Nahrung suchen und manchmal Kundschafter einsetzen, machen sich Armeeameisen in Scharen auf den Weg. Sie sehen zwar nichts, doch was ihnen in die Quere gerät, überwältigen sie durch ihre Masse. Zur Beute von E. burchellii gehören meistens andere Ameisen oder große Insekten und Spinnen. Sie können auch Echsen, Schlangen und Frösche töten, die nicht schnell genug ausweichen, aber sie fressen diese Tiere nicht. Der Angriffsfächer von bis zu 200 000 Ameisen kann sich 15 Meter weit spreizen. Was ihnen panisch entkommt, wird oft von Vögeln gefressen, die den Ameisenzügen gezielt folgen.


(NG, Heft 8 / 2007)
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