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13 Kilometer südlich von Jerusalem, dort, wo kümmerliche Olivenhaine und steinige Getreideäcker allmählich in die Wüste übergehen, erhebt sich wie ein kleiner Vulkan ein kegelförmiger Hügel mit abgeflachter Kuppe: das Herodeion, eine der architektonischen Meisterleistungen von Herodes dem Großen, König von Judäa. Zu Füßen und auf der Anhöhe dieser riesigen künstlichen Aufschüttung ließ er eine beispiellose Anlage errichten - mit Bauten aus weißem Mauerwerk, Bädern und weitläufigen Gärten.
Als brillanter Feldherr und einer der ideenreichsten Bauherren der Antike brachte Herodes seinem Reich Macht und Wohlstand. Dabei kennt man ihn bis heute vor allem aus dem Matthäus-Evangelium: als mörderischen Monarchen, der in Bethlehem alle Knaben bis zum Alter von zwei Jahren umbringen ließ, um zu verhindern, dass Jesus, der angekündigte neugeborene König der Juden, überlebe. Im Mittelalter wurde Herodes zum Sinnbild des Antichristen: Gotische Wasserspeier und illuminierte Handschriften zeigen ihn, wie er in rasendem Zorn sein Schwert gegen Säuglinge schwingt, während Satan ihm ins Ohr flüstert.
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Doch Herodes ist mit großer Sicherheit unschuldig, Matthäus blieb bis heute die einzige Quelle für den “Kindermord zu Bethlehem”. Verbürgt ist aber, dass er Kinder tötete, darunter drei seiner Söhne. Auch seine Frau, seine Schwiegermutter und Angehörige des Hofstaats ließ er hinrichten. Die Verbindung von Kreativität und Grausamkeit, Harmonie und Chaos durchzieht Herodes’ Leben auf eine Weise, die jede heutige Vorstellungskraft übersteigt. Der israelische Archäologe Ehud Netzer verbrachte fast ein halbes Jahrhundert mit der Suche nach dem Herodes, der sich nicht durch das Studium von Texten, sondern von Steinen erschließen lässt. Überall im Heiligen Land legte Netzer Bauwerke des Herodes frei, erforschte die Paläste, in denen er residierte, die Festungen, in denen er sich verschanzte, die Landschaften, die er liebte. Von den vielen Bauprojekten des Königs war das Herodeion das Einzige, das seinen Namen trug; vielleicht, weil es ihm am meisten am Herzen lag.
Dies ist auch der Ort, an dem er am Ende seines verwegenen und blutigen Lebens bestattet wurde. Wo Herodes begraben liegt, war fast zwei Jahrtausende lang unbekannt - bis Netzer und seine Kollegen von der Hebräischen Universität Jerusalem im April 2007 auf den oberen Hängen des Herodeions sein Grab entdeckten. Der Fund lieferte neue Erkenntnisse über einen der rätselhaftesten Herrscher der Antike, vor allem aber neue Beweise für den Hass, den Herodes unter seinen Zeitgenossen geweckt haben muss. Und er führte zu politischen Auseinandersetzungen: Denn die Palästinenser argumentieren, die Artefakte der Fundstätte gehörten ihnen, jüdische Siedler hingegen betrachten das Grab als weiteren Beleg für die Berechtigung ihres Anspruchs auf das Westjordanland. Für Netzer, dessen Arbeit seit Jahrzehnten immer wieder durch Krieg und Gewalt unterbrochen wurde, kam dieser Streit wenig überraschend. Im Heiligen Land kann Archäologie so politisch sein wie die Königsherrschaft.
DVD-Tipp: "Das verlorene Grab des König Herodes": Der Archäologe Ehud Netzer hat über Jahrzehnte hinweg Herodes' Bauwerke untersucht. 2007 machte er seinen spektakulärsten Fund: ein Mausoleum, vermutlich Herodes' Grabstätte. NATIONAL GEOGRAPHIC filmte exklusiv die Ausgrabungen in Herodium. Sehen Sie sich den Trailer zu dem spannenden Film an:
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