Das Geschäft mit den Mumien

Autor: A.R. Williams  —  Bilder: Richard Barnes
Frage des Monats
Welches Tier verkörperte im Alten Ägypten den Himmelsgott Horus, den Beschützer des aktuellen Königs?
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Am häufigsten sind Mumien, die bei jährlichen Festen in den Tempeln der Tierkulte als Votivgaben dargebracht wurden, allein in Istabl Antar zu Millionen. Pilger strömten in großer Zahl herbei. Entlang der Prozessionsstrecke gab es Musik und Tanz. Händler boten Speisen und Souvenirs an, und Priester hielten Mumien feil – schlichte wie auch kostbare, je nachdem, wie viel die Leute sich leisten konnten oder wollten. Von Weihrauch umwölkt, legten die Gläubigen ihre Mumie mit einem Gebet am Tempel nieder.

An manchen Orten wurde nur einem einzigen Gott und seinem Symboltier gehuldigt. An anderen heiligen Stätten wie in Abydos kamen ganze Menagerien von Votivmumien ans Tageslicht, jede Art mit Verbindung zu einem speziellen Gott. Hier, in der Begräbnisstätte der ersten ägyptischen Herrscher, fanden Archäologen Ibismumien, die wahrscheinlich Thot repräsentieren, den Gott der Weisheit und der Schreibkunst. Falken erinnerten an den Himmelsgott Horus, den Beschützer des lebenden Königs. Und Hunde verkörperten den schakalköpfigen Anubis, den Wächter der Toten. Wenn ein Pilger eine solche Mumie opferte, gewann er die Gunst des dazugehörigen Gottes.

Von der 26. Dynastie an, um das Jahr 664 v. Chr., wurden Votivmumien besonders populär. Das Land hatte sich von der nubischen Fremdherrschaft befreit, und die Ägypter konnten wieder ihre eigenen Traditionen pflegen. Das Geschäft mit den Mumien boomte und bot Heerscharen von spezialisierten Arbeitern Lohn und Brot. Tiere mussten gezüchtet, versorgt, getötet und mumifiziert werden; manche wurden sogar in eigenen zoologischen Gärten gehalten. Harze wurden importiert, Tücher gewebt, Gräber ausgehoben. Trotz der hehren Zwecke der Produkte kam es bei der Massenfertigung zu Fälschungen und Betrug. Ikrams Untersuchungen brachten es ans Licht: Billige Tiere wurden Käufern als wertvolle Exemplare untergejubelt, statt eines vollständigen Tiers gab es Knochen und Federn, prachtvolle Binden waren um einen Lehmklumpen gewickelt.


(NG, Heft 11 / 2009)


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