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In den Anden Ecuadors untersuchen Wissenschaftler einen Frosch der Gattung Atelopus auf Chytridien. Befund: positiv. Sein Habitat, ein Bau, in dem die Frösche sich paaren, wurde von Straßenbauschutt blockiert.
Er klammert sich noch an sie. Seine Vorderbeine hat er eng um ihren Rumpf geschlungen. In einem seichten Bach liegt sie unter dem Männchen, alle viere von sich gestreckt, mit einem von Eiern schweren Bauch. Man könnte meinen, hier tobt das Tierleben. Aber beide Lebewesen sind tot. Stummelfußfrösche sind eine seltene Spezies, die zur Gattung Atelopus gehört. Sie kommt nur in einem kleinen Landschaftsdreieck am Fuß der Anden und im angrenzenden Amazonasbecken vor. Das Weibchen trägt ein schwarzes Muster auf gelbem Grund, die Unterseite ist knallrot. Von den Farben her sieht dieser Frosch aus wie frisch gestrichen. Am Rand der Schlucht blubbert ein Bulldozer im Leerlauf. Wir sind im Südosten Ecuadors, nicht weit von der Ortschaft Limón. Durch Straßenbau sind hier wahre Lawinen aus Felsbrocken, abgerissenen Ästen und Erde die Abhänge hinuntergedonnert. Sie haben den von Bäumen gesäumten Bach an mehreren Stellen aufgestaut. Luis Coloma steigt behutsam über die Felsen und sieht sich die Schäden an dem Wasserlauf an. Der 47-jährige Herpetologe, wie Experten für Amphibien und Reptilien heißen, steht in seiner Khakihose bis zu den Knien im Wasser. Er stochert mit einem Stock im Geröll und sagt: "Sie haben das Haus des Frosches zerstört."
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Froscharten, die als „vermutlich ausgestorben“ gelten: Die Ausstellung unter Glas zeigt, welche große biologische Vielfalt allein in Ecuador während der letzten Jahre verloren gegangen ist.
Frösche und Kröten, Salamander, Molche und Blindschleichen gehören zu den Tieren, die von den vielen Angriffen auf die Natur am härtesten getroffen werden. Bis zur Hälfte aller Arten sind gefährdet, Hunderte von Ausrottung bedroht, mehrere Dutzend schon verloren. "Es ist ein Tod durch tausend Nadelstiche", sagt der Biologe David Wake von der Universität von Kalifornien in Berkeley. Lebensraumzerstörung, eingeschleppte fremde Arten, kommerzielle Nutzung und Wasserverschmutzung tragen weltweit dazu bei, die Bestände zu dezimieren. Welche Rolle der Klimawandel spielt, ist noch umstritten. Häufig geht der Todesstoß aber von einer Pilzinfektion aus, der Chytridiomykose. Ihr fiel auch das Froschpaar in dem Bach bei Limón zum Opfer.
Beide Tiere trugen, wie sich im Test zeigte, den Pilz in sich; das Männchen verendete kurz nach dem Weibchen. Schon in den achtziger Jahren waren es Pilze, die in Costa Rica unter Amphibien viele Opfer forderten. Aber das wusste damals noch niemand. Erst Mitte der neunziger Jahre, als in Mittelamerika und Australien immer mehr Frösche zugrunde gingen, machten Wissenschaftler die Chytridien als Ursache dingfest. Sie greifen das Keratin an, ein wichtiges Strukturprotein in Haut und Maul der Frösche; vermutlich hemmen sie dadurch den Sauerstoffaustausch sowie die Regulierung des Wasser- und Salzhaushalts im Organismus.
Die ersten Überträger des Pilzes waren wahrscheinlich Afrikanische Krallenfrösche, die aus dem Kontinent seit den dreißiger Jahren in großem Umfang für die Herstellung von Schwangerschaftstests exportiert werden.
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Gefangenschaft ist die letzte Chance für Gastrotheca pneustes und 15 andere gefährdete Arten. An der Pontificia Universidad Católica in Ecuadors Hauptstadt Quito wurden insgesamt 900 Tiere gesammelt.
"Eigentlich ist es erstaunlich, dass wir nicht noch mehr Populationszusammenbrüche beobachten, wo wir doch so viel kreuz und quer durch die Welt transportieren, einschließlich der Krankheitserreger", sagt Ross Alford von der James-Cook-Universität in Australien. Über Chytridien wird heute aus allen Weltgegenden berichtet, in denen Frösche vorkommen. Die Pilze treten in 43 Ländern und 36 US-Bundesstaaten auf. Sie überleben selbst in 6000 Meter Höhe, sie töten Wasser- und Landbewohner wie auch Tiere, die in beiden Lebensräumen zu Hause sind. Sie können sich zum Beispiel durch die Beine eines Frosches, die Federn eines Vogels, die schlammigen Stiefel eines Wanderers verbreiten. Mindestens 200 Arten haben sie mittlerweile befallen, in freier Wildbahn sind dadurch schon die Costaricanische Goldkröte, der Panama-Stummelfußfrosch, die Wyoming-Kröte und der australische Magenbrüterfrosch - um nur einige zu nennen - ausgestorben. Der australische Wissenschaftler Lee Berger und seine Kollegen waren die Ersten, die den Pilz als Ursache für das Massensterben erkannten. In einem 2007 erschienenen Artikel schrieben sie: "Die Wirkung der Chytridiomykose auf die Frösche ist der spektakulärste krankheitsbedingte Verlust der Vielfalt von Wirbeltierarten seit Beginn der historischen Aufzeichnungen."
"Eigentlich ist es erstaunlich, dass wir nicht noch mehr Populationszusammenbrüche beobachten", sagt der Wissenschaftler Ross Alford. Durch den weltweiten Transport gelangen nicht nur Produkte, sondern auch Krankheitserreger in den Umlauf. Dadurch können Epidemien ausgelöst werden, die sogar ganze Arten ausrotten können. Was könnte man ändern, damit es in Zukunft nicht mehr zu derartigen verheerenden Massensterben kommt? Schreiben Sie uns Ihre Meinung an leserbriefe@nationalgeographic.de und vergessen Sie bitte nicht, Ihre Anschrift anzugeben.
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