Meine Frau - ich nenne sie PJ - und ich haben eine neue Diät ausprobiert: nicht um abzunehmen, sondern um eine Antwort in Sachen Klimawandel zu finden. Wie wir wissen, erwärmt sich die Erde schneller, als man noch vor ein paar Jahren vorausgesagt hat. Falls wir den Ausstoß von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen nicht verringern, könnten die Folgen dramatisch werden. Doch was sollen Bemühungen einzelner Menschen bei uns nützen, wenn gleichzeitig die Emissionen in China , Indien und anderen Schwellenländern sprunghaft ansteigen?
Bild: Tyrone Turner Vergrößern
Nicht alle haben so viel Platz wie diese Farmersfrau in Kansas. Doch ein paar Leinen im Dachboden, auf dem Balkon oder im Heizungskeller könnten viele Wäschetrockner überflüssig machen.
Wir beschließen ein Experiment: Einen ganzen Monat lang wollen wir - wie beim Kalorienzählen - unsere privaten Emissionen von Kohlendioxid (CO2) aufzeichnen. Der durchschnittliche amerikanische Haushalt emittiert samt Klimaanlage und Autonutzung etwa 70 Kilogramm CO2 pro Tag. Das ist mehr als doppelt so viel wie in Europa und fast das Fünffache des weltweiten Durchschnitts. Hauptgrund: Die Amerikaner fahren mehr mit dem Auto und wohnen in größeren Häusern. Die erste Frage, die wir uns stellen, lautet: Wie viel Energie sollten wir einzusparen versuchen?
Eine Antwort bekomme ich von Tim Flannery. In seinem Buch "Wir Wettermacher: Wie die Menschen das Klima verändern und was das für unser Leben auf der Erde bedeutet" fordert er die Leser auf, ihre persönlichen CO2-Emissionen stark zu senken, damit die Klimaerwärmung nicht den kritischen Punkt erreicht, an dem das Eis auf Grönland und in der Antarktis unaufhaltsam zu tauen beginnt. Dann würde der Meeresspiegel nicht mehr um Millimeter, wie zurzeit, sondern um einige Meter steigen. Das wäre der Untergang für unsere Zivilisation. "Um unter dieser Schwelle zu bleiben, müssen die Amerikaner ihre CO2-Emissionen um 80 Prozent verringern", sagt Flannery. "Das hört sich nach ganz schön viel an", sagt PJ. "Ob wir das schaffen können?"
Das scheint auch mir unwahrscheinlich. Doch egal: Wir wollen wissen, wie weit wir uns einer Lebensweise annähern können, die für unseren Planeten verkraftbar ist. Wir einigen uns also auf das Ziel für den kommenden Julimonat: 80 Prozent weniger Energieverbrauch und CO2-Ausstoß als der amerikanische Durchschnittshaushalt. 14 Kilogramm CO2 dürfen wir demnach pro Tag erzeugen. Dann suchen wir ein paar Nachbarn, die mitmachen. Naheliegende Kandidaten sind John und Kyoko Bauer. Für amerikanische Verhältnisse dürfen sie als engagierte Grüne gelten: nur ein Auto, nur ein Fernseher, kein Fleisch außer Fisch. Die Eltern dreijähriger Zwillinge sorgen sich um die Zukunft. "Keine Frage, wir sind bei diesem Experiment dabei", sagt John.
DVD-Tipp: Sechs Grad bis zur Klimakatastrophe
Sind es nur noch Sechs Grad bis zur Klimakatastrophe? Welche Veränderungen der Klimawandel auf die Menschheit haben wird und bereits hat, erfahren Sie in dieser spannenden Dokumentation. mehr...
Bildband-Tipp: Zerbrechliche Erde
Kommen Sie mit auf eine dramatische Reise über die Zerbrechliche Erde und bemerken Sie, wie sich die Erde in den letzten Jahren vor allem im Hinblick auf Naturkatastrophen verändert hat. mehr...
Lese-Tipp: WorldChanging
Lösungsansätze für eine bessere Zukunft bietet das Buch WorldChanging zu Bereichen wie Konsum, Wohnen und Wirtschaft in kurzen Beiträgen von 53 internationalen Autoren. mehr...