"Es wird geschehen."

Artikel vom 01.05.2009  —  Autor: Tom Mueller

Jedes Mal, wenn der Körper eines Wollhaarmammuts aus dem sibirischen Permafrost auftaucht, wird darüber spekuliert, ob es möglich wäre, diese eiszeitlichen Riesen wiederzubeleben - sprich: zu klonen. Die notwendigen biotechnischen Methoden machen große Fortschritte. Erst im vorigen November berichtete der japanische Reproduktionsmediziner Teruhiko Wakayama, seine Gruppe habe Mäuse geklont, die zuvor 16 Jahre lang eingefroren waren. Das Prinzip könne möglicherweise den Weg zum Klonen der Mammuts und anderer im Permafrost eingeschlossener Arten ebnen. Kurz darauf verkündeten die Genforscher Webb Miller und Stephan Schuster von der Pennsylvania State-Universität, es sei ihnen gelungen, 70 Prozent des Mammuterbguts zu entschlüsseln. Ein großer Teil der Daten, die man zum Klonen eines Mammuts braucht, liege damit nun vor.

"Als Steven Spielberg sagte, das Klonen ausgestorbener Tiere werde unausweichlich kommen, habe ich anfangs gelacht", sagt Hendrik Poinar von der McMaster-Universität in Kanada. Er ist ein Experte für die Analyse sehr alter DNA und war wissenschaftlicher Berater bei den Dreharbeiten zum Kinofilm "Jurassic Park". "Heute lache ich nicht mehr, jedenfalls nicht, wenn es um Mammuts geht. Es wird geschehen. Es sind nur noch Details zu klären." Wie Poinar aber einräumt, machen diese Details noch Schwierigkeiten. Zwei Schritte sind nötig, um ein Mammut oder ein anderes Tier zu klonen. Zunächst braucht man seine vollständige DNA-Sequenz. Das ist die Abfolge der chemischen Buchstaben - der Basenpaare - im Erbgut, in denen Aussehen und Biologie eines Organismus festgeschrieben sind. Im Fall der Mammuts wird die Sequenz auf mehr als 4,5 Milliarden Basenpaare geschätzt. Hat man diese Information, muss man sie im zweiten Schritt in Fleisch und Blut umsetzen.

Beim Mammut fehlen noch rund 30 Prozent der Erbinformationen. Sicherheitshalber sollte man das komplette Genom auch mehrfach entschlüsseln, da im Verlauf mehrerer zehntausend Jahre im Boden das Erbgut beschädigt worden ist. Hat man die ganze DNA und die Fehler repariert, muss man sie in Chromosomen verpacken. Beim Menschen zum Beispiel ist das Erbgut in 23 Chromosomen gebündelt, beim Mammut weiß man bisher noch nicht einmal, wie viele Chromosomen es besaß. Diese Schwierigkeiten scheinen angesichts technischer Fortschritte aber nicht mehr unüberwindlich. Man gewinnt inzwischen hochwertige DNA aus Mammuthaaren. "Eigentlich ist es nur noch eine Frage der Zeit und des Geldes", sagt Schuster. Viel schwieriger wird es, aus dem Erbgut ein lebendiges Mammut zu erzeugen. Zum Glück leben heute noch enge Verwandte dieser Tiere: die Afrikanischen und Asiatischen Elefanten .

Das Elefantengenom diente den Forschern in Pennsylvania auch als Vorlage, als sie die Abschnitte der Mammut-DNA aus Haarproben zusammensetzten. Das Mammuterbgut ist allerdings noch so zerstückelt, dass man daraus kein Lebewesen rekonstruieren kann. Eine theoretische Chance bestünde darin, die DNA der Elefanten an allen rund 400 000 Stellen zu verändern, an der sie sich von jener des Mammuts unterscheidet. Man würde gleichsam Elefantenzellen zu Mammutzellen umschreiben. Eine andere Strategie könnte sein, das gesamte Genom des Mammuts künstlich nachzubauen. Dazu müsste man allerdings wissen, wie seine DNA in den Chromosomen organisiert war. Prinzipiell funktioniert diese Technik, bisher aber nur bei sehr kurzen Erbgutsträngen.


(NG, Heft 5 / 2009)


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