So wie in den USA kommen auch in Deutschland vier Fünftel der Treibhausgas-Emissionen aus der Verbrennung von Öl, Gas und Kohle. Dennoch gibt es einen gravierenden Unterschied zwischen beiden Ländern: Jeder US-Amerikaner verursacht im Durchschnitt rund 20 Tonnen CO2 pro Jahr - und das ist doppelt so hoch wie beim durchschnittlichen Deutschen. Aber auch das ist wohl zu viel, wenn wir ernsthaft dazu beitragen wollen, den Klimawandel zu begrenzen. Bei uns verbraucht ein Einfamilienhaus von 120 Quadratmeter Wohnfläche derzeit rund 3000 Liter Heizöl oder Kubikmeter Erdgas pro Jahr für die Heizung. Neubauten auf dem Stand der Technik - Passivhäuser - bleiben mit nur rund 200 Liter Heizöl oder Kubikmeter Erdgas pro Jahr warm. Sieben bis acht Tonnen CO2-Ausstoß werden dadurch eingespart. Allein beim Hausbau - nicht nur bei Wohnhäusern, sondern auch bei Bürogebäuden und Fabriken - sind also mehr als 90 Prozent Einsparung möglich. Natürlich kosten bessere Wärmedämmung und Fenster sowie die Wärmerückgewinnung erst einmal einige tausend Euro mehr, aber dafür ist die Heizung viel kleiner und günstiger.
Solche Maßnahmen ersparen jährlich viele hundert Euro an Heizkosten, und eine Klimaanlage werden wir auch in Zukunft trotz Treibhauseffektes nicht brauchen. Auch bei bestehenden Gebäuden ist dieser Standard inzwischen erreichbar. Wenn bei älteren Häusern die Fassade gestrichen werden soll, wenn neue Fenster fällig sind oder wenn das Dach ausgebaut wird, dann sollte man jetzt darauf achten, das Haus perfekt zu isolieren. Das heißt aber auch: Nicht jedes Haus kann sofort auf den neuesten Stand gebracht werden, aber bis 2050 und auch noch danach sollte jede Gelegenheit dazu genutzt werden. Zwischen 50 und mehr als 90 Prozent Einsparung bei Strom und Wärme sind auch bei Kühlschränken, Beleuchtung, Lüftungsanlagen, Heizungspumpen erreichbar, zu Hause, in Schulen, Supermärkten und Büros. Das Unternehmen Tengelmann eröffnete vor kurzem seinen ersten "Klimamarkt": Er verbraucht nur halb so viel Energie wie zuvor. Eine Halbierung des Energieverbrauchs strebt auch die Deutsche Bank in den Zwillingstürmen ihrer Zentrale bis 2010 an. Und mehr als 50 Prozent Stromeinsparung erreichte das Wuppertal Institut mit seinen "Solar&Spar"-Projekten in vier Schulen in Nordrhein-Westfalen. Diese Projekte verbinden Sparmaßnahmen mit der Nutzung erneuerbarer Energien auch im Kleinen. Das sollte zur Regel werden.
Was ist im Verkehr möglich? Am meisten kann natürlich sparen, wer zu Fuß geht oder Rad fährt. Das ist bei uns einfacher als in den USA, weil hierzulande die Vororte nicht so weitläufig sind. Das Netz von Bussen und Bahnen ist in Deutschland ebenfalls besser ausgebaut. Auch deswegen trägt bei uns der Verkehr nur 26 Prozent zu den energiebedingten CO2-Emissionen bei, in den USA sind es 34 Prozent. Aber es kann noch weniger werden. Einen Menschen einen Kilometer weit mit Bus und Bahn zu transportieren spart im Durchschnitt 70 Prozent im Vergleich zum Auto ein, wenn dieses mit nur einer oder zwei Personen besetzt ist. Ein Auto mit 15 000 Kilometer jährlicher Fahrleistung durch das Umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel zu ersetzen kann rund zwei Tonnen CO2-Ausstoß pro Jahr einsparen. Und bei Bedarf nutzt man das Carsharing, bei dem man sich ein Auto mit anderen Nutzern teilt. Natürlich müssen und können auch unsere Autos sparsamer werden, eine Halbierung des Verbrauchs ist technisch möglich. Wenn unsere Stromversorgung um das Jahr 2050 herum fast nur noch aus erneuerbaren Energien kommt und Elektroautos weiter ausgereift sind, besteht die Chance auf nahezu emissionsfreie Mobilität.
Nur im Luftverkehr ist derzeit keine Lösung absehbar. Auf der anderen Seite sind nicht nur die Möglichkeiten bei uns mit denen in den USA vergleichbar, sondern auch die Hemmnisse. In Deutschland sind nicht nur viele Büros gemietet, sondern auch rund die Hälfte der Wohnungen. Nicht jeder hat also die Möglichkeit, alle Sparpotenziale selber zu nutzen. Auch tragen manche mehr zum Klimawandel bei als andere. So erreichen wohlhabende Haushalte mit größeren Wohnungen und mehr Flugreisen oft ähnlich hohe Emissionen wie die durchschnittlichen Haushalte in den USA. Arme Haushalte leben entsprechend emissionsärmer. Hier ist der Staat gefordert, es für alle Bürger, Unternehmen und Behörden so leicht und attraktiv wie möglich zu machen, Energie zu sparen und erneuerbare Energien stärker zu nutzen. Zur Überwindung der Hemmnisse müssen mehrere Instrumente kombiniert werden: Information, Kennzeichnung, Beratung, Gebote, Verbote, finanzielle Förderung, Aus- und Weiterbildung, Energiesteuern und der Emissionshandel.
Stefan Thomas ist Leiter der Forschungsgruppe Energie-, Verkehrs- und Klimapolitik am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie.
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