Der Monsun in Südasien ist ein komplexes und eigenwilliges Ereignis, das noch nie einfach vorherzusagen war. Allgemein gilt er als das stärkste jahreszeitliche Klimaphänomen auf dem Globus. Fast die Hälfte der Erdbevölkerung ist von seinen Auswirkungen betroffen. Durch den Klimawandel hat er sich zudem noch stark verändert, so dass inzwischen nicht nur die Wissenschaftler verwirrt sind. Seit Generationen verwenden Bauernfamilien den Panchangam, einen dicken Kalenderalmanach, der die Bewegungen der hinduistischen Sternenkonstellationen beschreibt, um zu bestimmen, wann die Monsunregenfälle zu erwarten sind und wann die Landwirte ihre Saat ausbringen sollten. Doch heute beklagen sie, dass ihr System nicht mehr verlässlich funktioniere.
"Es wird zu einer Rätselaufgabe", sagt B. N. Goswami, der Direktor des Indischen Instituts für tropische Meteorologie in Pune. Goswami und seine Kollegen haben Klimadaten für Zentralindien aus den vergangenen fünf Jahrzehnten ausgewertet und sind zu dem Schluss gekommen, dass die jährliche Niederschlagsmenge zwar unverändert ist, aber die Regenfälle kürzer und heftiger geworden sind, mit weniger leichten und andauernden Niederschlagsphasen dazwischen. Das entspricht der weltweit beobachteten Zunahme extremer Wetterphänomene.
Einige Bauern konnten die unregelmäßigen Niederschläge durch die Nutzung von Grundwasser ausgleichen. Doch seit sie mit Hilfe von elektrischen Pumpen mehr Wasser fördern, als der Monsunregen liefert, sind die Grundwasserspiegel in Indien stark abgesunken. Nach Angaben des International Water Management Institute in Sri Lanka sind mittlerweile die Hälfte der Brunnen im westlichen Indien versiegt.
"Vor 30 Jahren sind wir schon in neun Meter Tiefe auf Wasser gestoßen", sagt das Dorfoberhaupt von Khandarmal, einer staubigen Siedlung mit rund 3000 Bewohnern, die etwa 32 Kilometer von Satichiwadi entfernt auf einem Hügelkamm liegt. "Jetzt müssen wir 120 Meter tief graben." Selbst das ist nicht gewiss. Über die Jahre haben die Bewohner insgesamt 500 Brunnen gebohrt. Mutmaßlich 90 Prozent davon sind mittlerweile ausgetrocknet.
Die Wasserknappheit stürzt die Bauern in einen endlosen Kreislauf von Verschuldung und Elend. Viele von ihnen – einer Schätzung zufolge bis zu 100 Millionen pro Jahr – sind gezwungen, sich Arbeit in Fabriken oder auf anderen, besser bewässerten Ländereien zu suchen. Während der Trockenmonate, von November bis Mai, drängen sie sich auf den Straßen: Familien auf ruckelnden Ochsenkarren oder Einwohneransammlungen ganzer Ortsteile, die sich Lastwagen als Taxis gemietet haben. Sie alle müssen gewaltige Hürden überwinden. Nach Regierungsangaben hat sich in Maharashtra zwischen 1995 und 2004 die Zahl der Selbstmorde bei männlichen Bauern verdreifacht.
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