Wenn das hier gelänge – davon ist Fay überzeugt –, müsste es auch in anderen Regionen der Erde möglich sein, wo Wälder aus kurzfristigem Gewinnstreben abgeholzt werden. Zusammen mit der Naturforscherin Lindsey Holm, eine Autodidaktin, die sich in der Region bestens auskennt, machte er sich auf den Weg. Die beiden dokumentierten umfassend die Tier- und Pflanzenwelt sowie den Zustand von Wald und Wasserläufen. Und sie redeten mit den Menschen im Land der Mammutbäume: mit Holzfällern, Förstern, Biologen, Umweltschützern, Cafébesitzern, Managern der Holzindustrie – mit Leuten also, die ein Interesse an den Wäldern haben.
Die Expedition startet in einer Phase heißer Debatten: Die heftig kritisierte Pacific Lumber Company, die mit ihrer Abholzungspraxis zwei Jahrzehnte lang im Kreuzfeuer von Umweltschützern stand und immer wieder mit den Behörden in Konflikt geriet, ist pleite. Wirtschafts- und Immobilienkrise führen dazu, dass überall in der Redwoodregion Sägewerke schließen müssen. Und obwohl die verbliebenen alten Baumbestände heute zum größten Teil geschützt sind, setzt sich der Niedergang der bekanntesten in diesen Wäldern lebenden Tierarten – Fleckenkauz, Marmel-Alk und Silberlachs – weiter fort. Bei Waldbränden gehen Hunderttausende von Hektar in Flammen auf. Der Tourismus liegt brach.
Dafür keimt ein neuer Gedanke: die Einsicht, dass die Wälder der Mammutbäume an einem historischen Scheideweg stehen. Nicht nur Umweltschützer und Forstwirte, auch Waldbesitzer und – einige – Verantwortliche in der Holzindustrie sagen, dass es um mehr gehe als um Abholzen oder nicht Abholzen. Es sei Zeit für eine neue Form der Forstwirtschaft. Eine Art der Holznutzung, die für den Menschen, die Tiere und vielleicht sogar für den ganzen Planeten gut ist. Und je länger Fay wandert, desto mehr wächst seine Überzeugung: "Kalifornien hat die Welt mit Computern revolutioniert – warum sollte es nicht auch mit gutem Waldmanagement möglich sein?"
Über 2000 Jahre sind manche Mammutbäume in Kalifornien alt. Sie standen schon, als im fernen Rom die Kaiserzeit begann; waren da, als Kolumbus erste amerikanische Landzipfel am Horizont entdeckte; und überdauerten sämtliche Kriege und Krisen seither. Heute aber sind wir dabei, die Wälder der Welt zu zerstören. Zeit umzudenken? Was meinen Sie: Wie kann gutes Waldmanagement aussehen? Kennen Sie erfolgreiche Projekte zur nachhaltigen Holzwirtschaft? Schreiben Sie uns an leserbriefe@nationalgeographic.de und vergessen Sie bitte nicht, Ihre Anschrift anzugeben.
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