Schöne bedrohte Welt

Artikel vom 01.01.2009  —  Autor: Les Kaufman  —  Bilder: Tim Laman
Schöne bedrohte Welt

Bild: Tim Laman Vergrößern

Die Korallenriffe von Fidschi leuchten in allen Farben des Regenbogens. Die pinkfarbenen Tentakel der Seeanemone sind giftig - außer für den Anemonenfisch. Fisch und Wirt gehören zur enormen Artenvielfalt in den Riffen.

Die Riffe von Fidschi sind Überlebenskünstler - und damit ein ideales Forschungsrevier für Wissenschaftler, die das katastrophale Korallensterben in den Ozeanen verstehen und aufhalten wollen. Wirbelstürme, Krankheiten, Vulkanausbrüche, Fressfeinde - all das fügt Riffen schwere Schäden zu. Normalerweise erholen sich Korallen danach wieder. Aber die vom Menschen verursachte kohlendioxidreiche Atmosphäre und der daraus resultierende Anstieg der Meerestemperatur könnten die Regenerationsfähigkeit von Korallen dauerhaft zerstören. Viele Korallen leben in Symbiose mit Algen. Diese liefern ihnen Nährstoffe und geben ihnen ihre spezifische Färbung. Wenn sich das Wasser erwärmt, stoßen die Korallen diese Algen ab und bleichen aus. Manchen Wissenschaftlern zufolge kommt es zu diesem Ausbleichen (coral bleaching), weil Korallen vorhandene Algen gegen hitzebeständigere austauschen, um zu überleben. Doch die Wassertemperaturen sind weltweit so stark angestiegen, dass die Hohltiere an die Obergrenze ihrer Hitzetoleranz stoßen: Die Korallen von Fidschi können in höchstens 30 Grad warmem Wasser fortbestehen.

In den Jahren 2000 und 2002 erlitten die Riffe schwere Schäden durch Wassererwärmung - viele blichen aus. Als seit langem an Korallen interessierter Meeresbiologe schloss ich mich damals einer Expedition nach Fidschi an, die die Folgen der Hitzewellen untersuchen wollte. Wir stießen auf große Unterschiede zwischen den verschiedenen Riffen. Ihrer Algen beraubt, waren einige verhungert.

Eidechsenfisch

Bild: Tim Laman Vergrößern

Zähnestarrend lauert dieser Räuber kleinen Fischen auf, die sich zu weit aus dem Riff wagen. Dann schnellt der rund 30 Zentimeter lange Eidechsenfisch aus seinem Versteck im Sand und schnappt sich die Beute.

Doch an anderen Stellen gedieh trotz der Ausbleichung von Hirschgeweih- und anderen Steinkorallen neues Leben. Wir sahen ganze Gärten junger Korallen sprießen. Vielfarbiges Meeresleben hatte die üppigen neuen Weidegründe besiedelt. Manche Riffe waren der Ausbleichung sogar ganz entgangen. Überall um uns herum schwammen große Fische: Haie, Zackenbarsche, Mantas. Dass die Korallen von Fidschi überlebt haben, grenzt an ein Wunder. Die Gesundheit aller Riffe der Erde könnte davon abhängen, dass wir begreifen, warum sich dieses Ökosystem als so zäh erwies. Immer mehr Menschen unterstützen den Plan für die Einrichtung eines Meeresschutzgebiets. Dort könnten Wissenschaftler nach Antworten suchen.


(NG, Heft 1 / 2009)
Extras

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