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Gerade noch wartete der Flamingoschwarm gemächlich durch diese von Algen gefärbte Lagune, die von warmen Quellen gespeist wird. Im nächsten Moment sprinten die aufgeschreckten Vögel los, um als rosa Wolke abzuheben.
Der Altiplano - wörtlich: die Hochebene - ist eine Region der Superlative in Südamerika. Hier liegen der Titicacasee, der höchste schiffbare See, und der Salar de Uyuni, die größte Salzpfanne der Welt. Nach der tibetischen Hochebene ist es die zweitgrößte - eine Landschaft aus Eis und Feuer, Wind und Salz, die sich von Nordargentinien bis zum unwirtlichen Flachland Perus erstreckt. Der Altiplano liegt höher als viele Gipfel der Rocky Mountains von Nordamerika. Er entstand, als der Boden des Pazifiks und das südamerikanische Festland kollidierten - Geologen sprechen vom Zusammenstoß der Pazifischen Nazca-Platte und der Südamerika-Platte. Dabei falteten sich zwei Andenketten auf. Dazwischen liegt diese Hochebene. Am Südrand des Altiplano, im Dreiländereck von Bolivien, Chile und Argentinien, gurgelt Lava in gewaltigen Vulkanen. Zu deren Füßen brechen kleine Schlammgeysire zischend aus dem gefrorenen Boden. Es ist eine Landschaft, die wie kaum eine andere auf der Erde an eine Zeit erinnert, in der es noch keine Menschen gab. Wenn man im Geländewagen über den gleißenden Salzspiegel des Uyuni rast, während über dieser scheinbar endlosen weißen Ebene gegenüber der untergehenden Sonne schon funkelnd der Mond aufsteigt, dann scheint die Ewigkeit sehr nahe.
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Mondlicht liegt auf Incahuasi, einer kakteenbestandenen Gesteinsinsel in der Uyuni-Salzpfanne. Vor 16 000 Jahren bedeckte ein See dieses Land. Als er austrocknete, hinterließ er die flächenmäßig größte Salzablagerung der Welt.
In diesen windgepeitschten Weiten überlebt kaum ein Baum, und der Mensch ringt dem Boden nur karge Ernten ab. Dafür überrascht die Tierwelt mit Chinchillas und Vikunjas, Alpakas und Lamas, mit neugierigen Füchsen und - man glaubt es kaum - mit Kolonien von Flamingos in den Weiten der Salzseen. Menschen leben hier auch, einige Millionen, die meisten davon im Norden der Region, zwischen der Salzebene von Uyuni und dem Titicacasee. Zur Zeit der Inka war die Gegend unter dem Namen Qullasuyu bekannt. Nach der Unabhängigkeit von Spanien im Jahr 1825 wurde ein neuer Staat gegründet und nach dem Befreier Simón Bolívar benannt.
Der größte Teil des Altiplano gehört zu Bolivien. Den hier besonders heftigen geologischen Aktivitäten in der Erdkruste verdankt das Land einen außergewöhnlichen Reichtum an Mineralien und Erzen. Das Silber eines einzigen Berges, des berühmten Potosí, hat über Jahrhunderte die spanische Krone mitfinanziert und, wie manche Ökonomen behaupten, Europa reich gemacht.
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Paja brava, tapferes Stroh, so nennen die Einheimischen die Gräser, die in den Höhlen des Altiplano dürre Kringel bilden. Auf dem windgepeitschten Boden, auf den es nur selten regnet, können nur wenige andere Pflanzen überleben.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lieferte dann das Zinn aus hiesigen Gruben das Material für einen großen Teil der weltweiten Konservenindustrie. Und der Altiplano ist noch immer eine Quelle des Reichtums. Nachdem über fast zehn Jahre die Infrastruktur aufgebaut wurde, soll demnächst das US-amerikanische Unternehmen Apex Silver Mining am San Cristóbal mit dem Erzabbau beginnen. Das ist ein Berg, der zum größten Teil aus Silber, Zink und Blei zu bestehen scheint. Eine weitere Mine in US-Besitz ist San Bartolomé in Potosí; sie könnte die weltgrößte Lagerstätte für reines Silber sein. Doch obwohl Bolivien im Tiefland auch noch Erdöl und Erdgas aus ergiebigen Vorkommen fördert, beträgt das Prokopfeinkommen der Bevölkerung umgerechnet nur rund 2500 Euro im Jahr. Immenser Reichtum und bittere Armut - an dieser Schere sind schon viele Regierungen Boliviens gescheitert. Wenn es um Diktaturen, Staatsstreiche und korrupte Regime geht, gibt es nur wenige Länder, deren traurige Geschichte es mit Bolivien aufnehmen kann.
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