Im Jahr 1948 fand Michael Robson die Liebe seines Lebens: einen Ort, an dem er noch nie gewesen war. Beflügelt durch die Bilder eines Magazins, reiste der Junge in seiner Phantasie aus dem vertrauten, häuslichen Leben seiner englischen Heimat auf die wilden Inseln vor Schottlands Nordwestküste. Robson folgte dem Lockruf der Hebriden so oft wie möglich, anfangs noch in den Schulferien und später, als er berufstätig war, während seiner Urlaubszeit. Vom Festland aus unternahm er lange Exkursionen mit dem Dampfer und mit dem Bus, mit Booten und zu Fuß, von den Bergen der Insel Skye bis zu den Mooren und Meeresarmen des doppelnamigen Eilands Lewis und Harris, das frühere Bewohner noch für zweigeteilt hielten.
Mehr als 500 Inseln bilden die Inneren und die Äußeren Hebriden. Oft umhüllt sie ein dichter Nebel. Ihre Küsten werden von Wind und Wellen gepeitscht. Das Meer, das sie umgibt, stellt auch den erfahrensten Kapitän auf eine harte Probe. Binnen eines Tages kann sich das seidige, tropische Blau in ein stürmisches, nordisches Stahlgrau verwandeln.
Jahrtausendelang mussten die Menschen hier um ihr Überleben kämpfen. Dennoch haben erst Kelten und Wikinger, später Schotten und Engländer lange Zeit um die Herrschaft über diese raue Welt gerungen. Heute sind nur noch wenige Dutzend Inseln bewohnt. „Die Hebriden sind eine Herausforderung“, erzählt Robson. „Manche Besucher sagen, sie seien düster, aber das zeigt bloß, dass sie nicht richtig hingesehen haben.“ Zwischen den Schlachten, die immer wieder um die Inseln ausgefochten wurden, fanden sie herzlich wenig Beachtung. Im 18. Jahrhundert erklärte der legendäre Londoner Intellektuelle Samuel Johnson, der für seine Exzentrik bekannt war, dass die Festlandsbewohner im Süden nicht besser über die Hebriden Bescheid wüssten als über Borneo oder Sumatra.
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