Wandern auf einem Meeresgrund. Mit dem Rad Korallenriffe umrunden. Durch die Erdgeschichte klettern. Oder einfach schauen, schauen und staunen. Die Dolomiten sind als Gebirgslandschaft einmalig: benannt nach ihrem "Entdecker", berühmt für ihre Gipfel und Zinnen, beliebt bei Alpinisten wie bei Berggehern. Und die Unesco hat sie letzthin zum Weltnaturerbe erklärt – wegen ihrer „einzigartigen monumentalen Schönheit“.
Wer diese Geschichte erzählt, muss zuerst von Korallen und Kalkalgen sprechen, von Muscheln und Kopffüßlern, die in einem Meer namens Tethys lebten, das einst große Teile des Erdballs umspannte. All dieses Getier fraß, schied aus, vermehrte sich und starb, milliardenfach, und schuf ganz nebenbei etwas, das der berühmte Schweizer Architekt Le Corbusier „die eindrucksvollsten Bauwerke der Welt“ nannte: die Dolomiten. Es dauerte 230 Millionen Jahre, bis dieses Wunder auf dem Meeresboden entstehen konnte. Und es bedurfte titanischer Kräfte, bis es sich aus den Wassern erhob. Vor rund 30 Millionen Jahren schob sich die Afrikanische Kontinentalplatte gegen die Europäische, unter dem gewaltigen Druck faltete sich die Erde auf, der Ozean verschwand bis auf wenige Reste im heutigen östlichen Mittelmeer.
Aus den Tiefen der Tethys tauchten Korallenriffe auf, ganze Welten voller Fossilien aus fernen, tropischen Gegenden. Erst vorigen Sommer fanden Wiener Geologen in fast 3000 Meter Höhe im Puez-Gestein die 120 Millionen Jahre alte Astgabel einer Araukarie – eines Nadelbaums, wie man ihn aus Südamerika kennt! Kaum ragten die einstigen Meeresböden in den Himmel, rüttelten Stürme an ihrer Kruste, kratzten, fegten und scheuerten sie wund. Die Sonne hämmerte mit heißen Schlägen auf sie ein, Frost sprengte ihren Körper auf, es öffneten sich Schründe und Abgründe.
So langsam sie aus dem Meer aufstiegen, so jäh ragen die Reste der Riffe heute vor dem Betrachter auf. Selbst wer sie schon hundertmal gesehen hat, wird immer wieder überrascht sein, wie sich die Dolomiten über grüne Almen erheben, wie sie aus dichten, dunklen Wäldern emporwachsen. Gleich aus welcher Richtung man sich ihnen nähert, durch das Eisacktal von Norden, über das Pustertal im Osten, vom Piave- und dem Etschtal im Süden – immer schießen sie wie steinerne Fontänen aus der Erde.
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