Der Dreizack wies den Weg. Geborstene Kanonenrohre, zersplitterte Planken und dann diese „Steine“, wie sie kein Lebender je gesehen hatte. Seit Dieter Noli die erste Kupferhalbkugel mit dem wohl berühmtesten Markenzeichen der frühen Neuzeit in Händen hielt, weiß er, dass am 1. April 2008 eine Sternstunde der Archäologie begann. „Wir haben hier einen Jahrhundertfund“, sagt er mit seinem Indiana-Jones-Lächeln. „Eine Epoche in einem Schiffswrack!“
Tonnenweise Fugger-Kupfer. Münzen aus Portugal, Spanien, Italien. Waffen und Utensilien wie aus dem Museum. Elfenbein aus Westafrika. Ein Stück um Stück geborgenes Handelsschiff, 1533 auf der Fahrt nach Indien zerschellt an der Küste von Namibia – die Reste eines Unglücks, aber fast durchweg gut erhalten. Eine dramatischere Momentaufnahme jener Zeit, als die Globalisierung begann, kann man sich kaum vorstellen.
Dass der Fund ein Schiff ist, könnte prototypischer nicht sein. Schiffe waren die Vehikel der Entdeckungen. Mit Schiffen hatten kühne Seefahrer wie Bartolomeu Diaz und Kolumbus, Vasco da Gama und Magellan den Erdball erkundet und neue Wege erschlossen. Ihnen folgten nun die Händler. Denn es lockten neue Absatzmärkte und begehrte Ware: Pfeffer und Muskat, Ingwer und Zimt brachten in Europa tausendfachen Gewinn. Jedes Frühjahr lief eine Handelsflotte von Lissabon nach Indien aus, im März 1505 die erste mit deutscher Beteiligung. In der Hand hatten diese so riskanten wie profitablen Unternehmungen die Weltmächte jener Zeit: Portugal und Spanien. Die Handelsgüter und das Kapital lieferten die Geldmächte der Epoche: allen voran die Fugger, die Welser und eine nicht minder rührige Riege weiterer Familien aus Augsburg, Nürnberg und anderen Reichsstädten.
„Für die deutsche Handelsgeschichte ist die ‚Bom Jesus’ ein absoluter Glücksfall“, sagt der Kulturwissenschaftler Wolfgang Knabe. Als Gründer des Fernhandelsmuseums „Mercateum“ in Königsbrunn und Experte für die Anfänge der modernen Weltwirtschaft spielt er den historischen Part in Nolis internationalem Forscherteam. Besonders aufregend findet er, „dass uns dieser Fund Dinge an die Hand gibt, von denen wir viele bisher nur von bildlichen Darstellungen oder aus dem Museum gekannt haben: Man sieht in ein Schaufenster, in dem alle damaligen Exportwaren nach Indien präsentiert sind“.
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