An einem steilen Abhang leuchtet ein sauber geschnittener Rasen. Hinter einem Rhabarberbeet recken sich Fichten, Tannen, Pappeln und Weiden. Nichts Besonderes? Hier schon. Der Garten von Kenneth Høegh liegt über einem von Eisbergen verstopften Fjord. Wir sind in Qaqortoq, einem Ort auf 60° 43' nördlicher Breite, nur rund 650 Kilometer südlich des Polarkreises.
„Letzte Nacht hatten wir Frost“, sagt Høegh, als wir an einem warmen Vormittag im Juli 2009 durch seinen Garten gehen. Wir inspizieren seine Pflanzen, und die Stechmücken inspizieren uns. Unten glitzert der Hafen von Qaqortoq saphirblau in der Sonne. An der Kaimauer ist ein kleiner Eisberg angetrieben. Bunt gestrichene Häuser aus importierten Holzschindeln sprenkeln die Granithänge, die den Hafen wie ein Amphitheater ringsum überragen.
Høegh könnte als Wikinger durchgehen: ein kräftig gebauter Mann mit rötlich blonden Haaren und sauber gestutztem Bart. Er ist Landwirtschaftsexperte und war früher Berater des grönländischen Landwirtschaftsministeriums. Seine Familie lebt seit mehr als 200 Jahren in Qaqortoq. Am Rand des Gartens bleibt er stehen und schaut unter eine weiße Plastikplane. Sie schützt ein Beet mit Rübsen, einer Öl- und Futterpflanze, die er einen Monat zuvor hier gesät hat.
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