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Wenn man unsere Haut abnehmen und flach ausbreiten könnte, würde sie eine Fläche von etwa zwei Quadratmetern bedecken. Damit ist sie das größte Organ des menschlichen Körpers. Sie bildet eine Schranke zwischen dem, was in uns steckt, und dem, was draußen liegt. Sie schützt uns vor einer Vielzahl äußerer Einflüsse. Sie muss Gefahren abweisen und doch in beide Richtungen durchlässig sein. Sie ist stellenweise kaum einen Millimeter dick und besteht doch aus drei ganz verschiedenen Schichten mit ganz verschiedenen Funktionen. Unsere Haut ist die wohl wichtigste Quelle unserer Sinneswahrnehmung. Wir können leben, ohne zu sehen oder zu hören, ohne zu schmecken oder zu riechen. Doch Säuglinge, bei denen es keine funktionierende Nervenverbindung zwischen der Haut und dem Gehirn gibt, sind nicht lebensfähig.
Bild: Digitaleinfärbung und Montage: Christopher P.Sloan, Inc., Siemens Medical Solutions Vergrößern
Vor vielen Jahren gab es eine Reihe von Laborexperimenten, die heute als Tierquälerei gelten würden. Dabei wurden Affenmütter gehindert, ihre Jungen anzufassen. Die Babys durften ihre Mütter sehen, hören und riechen, aber das reichte nicht. Ohne Berührungen wurden die Kleinen apathisch, sie entwickelten sich nicht weiter. Sie "warfen sich auf den Boden, weinten, verzogen ihre Gesichter, kauerten sich an eine Wand und wiegten sich mit den Händen über dem Kopf oder vor dem Gesicht hin und her", heißt es in einem Forschungsbericht.
Auch bei Menschen kann ein Mangel an Berührungen in den ersten Jahren Folgen für den Rest des Lebens haben. "In Gesellschaften, in denen man sich viel anfasst, ist die Aggression bei Erwachsenen gering, in berührungsarmen Kulturen dagegen hoch", schreibt Tiffany Field, die Leiterin des Instituts für Berührungsforschung an der medizinischen Hochschule der Universität Miami.
Untersuchungen in verschiedenen Kulturen haben ergeben, dass viel Körperkontakt in der Kindheit anscheinend dazu führt, dass man als Erwachsener weniger körperliche Gewalt ausübt.
Bild: Januaz Z. Beer, Julia A. Knikern, Katalin S. Krossy, Nahrungs- und Arzneimittelbehörde, Nationales Krebsinsitut, Sharon Miller u.a., und Vincent J. Hearing, unter Mitwirkung von Sergio G. Coeleho Vergrößern
Die Wirkung von Berührungen ist leicht zu verstehen, ihre Funktionsweise dagegen schwerer. "Die Haut hat Millionen Nervenzellen verschiedener Typen, die in unterschiedlicher Tiefe liegen", erklärt Stanley Bolanowski, ein Neurologe an der Universität Syracuse im Bundesstaat New York. "Die Anregung der Nervenzellen durch Tast- oder Temperaturreize führt zur Umwandlung von physischer Energie in elektrische Energie, die vom Nervensystem in die Wirbelsäule und ins Gehirn geleitet wird. Niemand weiß genau, wie das abläuft." Es ist sehr kompliziert und braucht nur Bruchteile von Sekunden. Andererseits, so Bolanowski, ist es recht simpel: "Eigentlich fühlt ein Mensch über die Haut nur drei Dinge: Druck, Temperatur und Schmerz." Ich bin sicher, dass er Unrecht hat. "Wenn ich nass werde, fühlt sich meine Haut nass an", werfe ich ein.
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