Tiere

Seltenes Säugetier mit Teddygesicht lebt versteckt in chinesischen Bergen

Mehr als 20 Jahre nach seiner Entdeckung wurde der seltene Ili-Pfeifhase 2014 in den Bergen im Nordwesten Chinas wiederentdeckt. Donnerstag, 4 Januar

Von Carrie Arnold

Man könnte es als eines der längsten Versteckspiele der Welt bezeichnen.

Mehr als 20 Jahre lang hatte sich der Ili-Pfeifhase (Ochotona iliensis) – ein kleines Säugetier mit einem Teddygesicht – im Gebirge Tian Shan im Nordwesten Chinas vor den Wissenschaftlern verborgen.

Seit seiner zufälligen Entdeckung im Jahr 1983 wurde das Tierchen nur ein paar Mal von Menschen erblickt. Tatsächlich wurden bisher nur 29 lebende Exemplare gesichtet, und über die Ökologie und das Verhalten des Tieres ist kaum etwas bekannt.

Im Sommer 2014 entdeckten Forscher den kleinen Säuger dann endlich wieder.

Weidong Li, der ursprüngliche Entdecker der Art und Wissenschaftler am Xinjiang Institut für Ökologie und Geografie, war mit einer Gruppe von Freiwilligen in das Gebirge Tian Shan aufgebrochen, um nach Pfeifhasen zu suchen. Eines Mittags, als sie gerade Kamerafallen aufstellten, entdeckten sie, wofür sie gekommen waren.

Ein neugieriges Pfeifhörnchen schaute aus einer Spalte in einer Klippenwand hervor. Li machte direkt ein paar Fotos (darunter auch unser Titelbild).

„Sie entdeckten es hinter einem Felsen und erkannten, dass sie den Pfeifhasen gefunden hatten. Sie waren sehr aufgeregt“, sagte Tatsuya Shin, ein Naturforscher, der mit den Entdeckern des Pfeifhasen zusammenarbeitet.

HOCH AUF DEN BERGEN

1983 schickte die chinesische Regierung Li in die bergige Provinz Xinjiang, um dort Bodenschätze und Infektionskrankheiten zu untersuchen. Als Li ein Tal am Jilimalale erkundete, sah er einen kleinen grauen Kopf aus einer Felsspalte schauen. Als er sich ihm näherte, konnte Li einen Blick auf den ganzen Körper des Tieres werfen.

Es war ungefähr 20 Zentimeter lang, hatte große Ohren und mehrere kleine braune Punkte auf seinem grauen Fell. Weder Li noch Hirten in der Nähe kannten die Tierart. Li fing ein Exemplar und schickte es an einen Wissenschaftler der Chinesischen Akademie der Wissenschaften, der ihm sagte, dass er das Tier für eine neue Art hielt.

Auf seiner zweiten Reise in die Gegend im Dezember 1983 entdeckte Li keine Pfeifhasen mehr. Mehr Glück hatte er bei seinem dritten Ausflug 1985, auf dem er weitere Exemplare fing. Dadurch konnten Forscher der Akademie bestätigen, dass dieser Pfeifhase der Wissenschaft bis dato unbekannt war.

KLEIN UND IN GEFAHR

Wie andere Pfeifhasenarten in Nordamerika lebt auch der Ili-Pfeifhase in größeren Höhen – zwischen 2.800 und 4.100 Metern – und ernährt sich hauptsächlich von Gras, Kräutern und anderen Bergpflanzen.

Und wie andere Tiere, die in größeren Höhen leben, reagiert auch der Pfeifhase empfindlich auf Veränderungen in seiner Umwelt. Laut einer Schätzung aus dem Jahr 1990 belief sich die Zahl der Exemplare damals auf 2.000 und nimmt laut der Weltnaturschutzunion wahrscheinlich ab.

Grasendes Vieh und Luftverschmutzung sind vermutlich zwei Faktoren, die zum Rückgang der Ili-Pfeifhasenpopulation beigetragen haben. Die Tierart wird von der Weltnaturschutzunion als stark gefährdet eingestuft.  

Trotzdem werden derzeit keine Maßnahmen zum Schutz des Ili-Pfeifhasen ergriffen. Li hofft, dass er das ändern kann, und nutzt die Wiederentdeckung des Tieres, um Schutzgebiete für die Art zu etablieren.

Wie könnte man zu so einem niedlichen Gesicht auch Nein sagen? (Lesenswert: Darum finden wir „hässliche“ Tiere süß)

 

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