Biologie: Solarenergie nach Pflanzenart

Artikel vom 08.06.2010
Meeresschnecke

Bild: Nicholas Curtis/Raymond Martinez Vergrößern

Die Meeresschnecke Elysia chlorotica ist eine tierische Solarzelle. Durch einen genetischen Trick produziert sie Blattgrün wie eine Pflanze - und versorgt sich so mit Energie.

Könnten Menschen – wie die Pflanzen – das Licht der Sonne direkt in Nahrung und Energie umsetzen, müssten sie nicht mehr essen, und die Welt wäre mit einem Schlag viele Probleme los. Dass Tiere dies können, beweist die Meeresschnecke Elysia chlorotica. Alles, was sie braucht, ist eine einzige Algenmahlzeit. Fortan führt sie das Leben eines grünen Blatts.

Der Prozess ist als Photosynthese bekannt. Dabei wird mit Hilfe des Lichts CO₂ in Zucker umgewandelt. Pflanzen tun dies mit spezialisierten Organellen, den Chloroplasten. Damit diese im Körper der Schnecken überleben, bauen die Tiere bestimmte Gene der Algen in ihr eigenes Erbgut ein. Nach neuesten Erkenntnissen des amerikanischen Biologen Sidney Pierce geht Elysia chlorotica sogar noch einen Schritt weiter: Sie bedient sich nicht nur der Algenchloroplasten, sondern sie übernimmt gleich so viele Gene von ihnen, dass sie ihr eigenes Chlorophyll produzieren kann – jenes grüne Pigment, ohne das die Photo-synthese nicht funktioniert. "Diese Nutzung pflanzlicher Gene durch ein Tier ist ein verblüffender Mechanismus", sagt Pierce. Und sollte das, was Schnecken können, prinzipiell nicht auch Menschen möglich sein?


(NG, Heft 7 / 2010, Seite(n) 24)
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