Biologie: Wanzen-Trampolin

Artikel vom 12.05.2010
Wasserläufer

Bild: Shutterstock Vergrößern

Ein Wasserläufer drückt die Ober­fläche eines Tümpels mit den Enden seiner Beine ein.

Eine Wasseroberfläche, die wir Menschen als glatt empfinden, ist für Insekten voller Hindernisse. Überall, wo ein Blatt oder ein Zweig aus dem Wasser ragen, zieht die Oberflächenspannung das Nass bogenförmig ein Stück empor. Diese Stelle wird Meniskus genannt, nach dem griechischen Wort für Halbmond. Auf festem Grund können Mensch und Tier sich vom Boden abstoßen, wenn sie bergan steigen. Insekten hingegen, die auf dem Wasser laufen, gleiten zumeist auf kleinen Luftpolstern zwischen den Zehen – eine schlüpfrige Art der Fortbewegung.

Wie also kommt eine millimetergroße Wanze wie der Wasserläufer über den steilen Meniskus hinweg, wenn sie ihre Eier an einem Blatt legen oder einem Fisch entkommen will? Die amerikanischen Forscher John Bush und David Hu vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) klärten diese Frage mit einer Hochgeschwindigkeitskamera. Eine Wanze, die sich einem Meniskus nähert, dellt die Wasseroberfläche unter ihrem Körper ein. So kommt es zu einem Trampolineffekt. Das Insekt lässt sich auf festen Untergrund hochschleudern, fasst Fuß und geht seiner Wege.


(NG, Heft 6 / 2010, Seite(n) 28)


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