Das ist mein Paradies!

Artikel vom 01.10.2009  —  Autor: Linda Kulman

Im Bildband "Wo liegt der Himmel auf Erden?“ zeigen Fotografen von NATIONAL GEOGRAPHIC, wo für sie der Himmel auf Erden liegt. Das kann ein Dorf in Kolumbien sein, eine winterliche Straßenkreuzung in South Dakota, ein Sommertag auf Island. Es sind Liebeserklärungen in Bildern - wir haben ihnen einen Essay über das Thema Erde vorangestellt. Dazu sehen Sie einige der schönsten Bilder des Buchs in unserer Bildergalerie. 

Unsere Erde

„Liegt in der Wildnis die Rettung der Welt? Wir sehnen uns jedenfalls danach.“ Wer von uns hat noch nicht einen Stein aufgehoben und in die Tasche geschoben? Ein schlichter Akt. Und doch verrät er unsere Haltung: Wir glauben, dass das Land uns allein gehört. Wir haben es – buchstäblich – geformt, damit es unseren Zwecken dient. Wir setzen Fertighäuser auf Ackerland, kappen Berggipfel, um Kohle abzubauen, führen dem Boden unnatürliche Mengen Dünger zu, weil wir auf Mais von Stauden so hoch wie Verkehrsampeln und Äpfel so groß wie Stoppschilder hoffen.

Wir wiegen uns in dem Glauben, der Mensch sei nicht immer maßlos gewesen – dass Generationen im Einklang mit der Natur lebten: Hüter des Landes, die auf der Jagd so vorsichtig auftraten, dass unter ihren bloßen Füßen kein Zweiglein brach. Tatsächlich hat es solch ein Goldenes Zeitalter nie gegeben. Es ist eine Phantasie aus dem 19.Jahrhundert, als die Industrialisierung volle Fahrt aufnahm.

Vor 50000 Jahren, als der Mensch herausfand, wie man Waffen herstellt und nutzt, fiel sein Auge erstmals auf die Schätze der Natur. Rund 4000 Jahre später löschten die ersten Bewohner Australiens nicht nur drei Meter große Kängurus aus, sondern die meisten großen Tierarten des Kontinents. Sie waren leichte Beute, weil ihnen evolutionsbedingt die zur Verteidigung nötige Aggressivität fehlte. Wohin der Mensch auch ging, ob nach Nordamerika, in den Mittelmeerraum oder auf die Pazifikinseln – die größten und langsamsten einheimischen Tiere starben aus, ohne Ausnahme. Arten, die der Mensch nicht wegen ihres Fleisches oder Fells jagte, wurden Opfer von Krankheiten, die er einschleppte, oder weil er ihre Lebensräume zerstörte. „Umweltressourcen nachhaltig zu verwalten war schon immer schwierig“, schreibt der Evolutionsbiologe Jared Diamond, ein Explorer in Residence – wissenschaftlicher Berater – der National Geographic Society, in seinem Buch „Kollaps“.

Der Wille zu überleben ist ein sehr starker Antrieb. Um Nahrung zu beschaffen, mussten Jäger und Sammler umherziehen. Zu lange an einem Ort zu bleiben bedeutete den Hungertod. Rund 40000 Jahre vergingen, bevor der Homo sapiens begriff, dass Ackerbau die Voraussetzung für Sesshaftigkeit war. Feldfrüchte wie Flachs, Gerste und Kichererbsen brachten Stabilität. Daniel Quinn nennt das 1992 in seinem kontrovers diskutierten Roman „Ismael“ über Geschichte und Überleben der Zivilisation den „kometenhaften Aufstieg“ des Menschen: „Durch Sesshaftigkeit entstand Arbeitsteilung, durch Arbeitsteilung Technologie. Fortschreitende Technologie brachte Handel und Wirtschaft. Handel und Wirtschaft führ ten zu Mathematik, Literatur, Wissenschaft und so weiter.“ Damit einher ging natürlich der Drang zu ständig wachsendem Konsum, von der Vorliebe für Mahagonimöbel als vornehmes Statussymbol im 19.Jahrhundert bis zum modernen Faible für rustikale Esstische aus Mangoholz. Was vormals als Luxus galt, wurde mit der Zeit Standard.

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Extras

Wo liegt der Himmel auf Erden?
Viele ihrer Reisen führen NATIONAL GEOGRAPHIC-Fotografen um die Welt, und oft erleben die Reporter ein Land und seine Menschen auf ganz besondere Weise. Das Buch „Wo liegt der Himmel auf Erden?“ versammelt solche unvergesslichen Orte und Episoden. Hier können Sie es bestellen! mehr...

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