Bild: Jörg Müller Vergrößern
Mit dem Rad vorm Rathaus: Bremens Umweltsenator Reinhard Loske.
Unsere Welt kann nur dann dauerhaft lebenswert bleiben, wenn wir uns am Prinzip der Nachhaltigkeit orientieren. In unserer neuen Serie stellen wir Menschen vor, die ökologisch, ökonomisch oder sozial nachhaltig handeln. Pioniere mit wegweisenden Ideen. Zum Auftakt: Reinhard Loske und sein Modell für den städtischen Nahverkehr in Bremen.
Die „Liebe zur Kreatur“ hat sicher ihren Anteil daran, dass sich Reinhard Loske für einen nachhaltigen Umgang mit der Umwelt einsetzt. Denn dazu, sagt er, sei er erzogen worden. Gewiss ist es auch die Mentalität seiner Heimat, die ihn befähigt, unbeirrt für das einzutreten, was er für richtig hält. Der grüne Umweltsenator von Bremen wurde vor 52 Jahren in Lippstadt bei Paderborn geboren, dort, wo die Westfalen als besonders stur gelten. Daher lässt sich Loske auf seinem Weg, die Stadt rund um ihr Wahrzeichen, den furchtlosen Ritter Roland, zu einem Zukunftsmodell urbaner Mobilität zu entwickeln, auch nicht vom Murren autofreundlicher Wirtschaftsverbände ausbremsen. Da kontert er trocken: „Wer aus 35 Prozent Autoverkehr in Bremen 100 Prozent Verkehrspolitik herleitet, der irrt.“
Er selber fährt „drei Viertel des Jahres mit dem Rad“ ins Amt, „4,8 Kilometer, einfach“. Bei zu schlechtem Wetter nimmt er die Straßenbahn. Dienstlich lässt er sich allerdings chauffieren, „sonst sind die Termine nicht zu schaffen“. Den „CO2-Ausstoß von 138 Gramm pro Kilometer“ – solche Daten hat er parat – unterbietet dennoch keiner seiner Senatskollegen. Loske lebt vor, was Bremen – zum Teil schon vor seiner Amtszeit – europaweit Anerkennung eingebracht hat. Und Auszeichnungen. Zum Beispiel den Civitas-Preis der Europäischen Union; Civitas steht für City, Vita und Sustainability („Stadt, Leben, Nachhaltigkeit“).
Bremen wurde zur „Pilotregion für umweltfreundliche Mobilität“ gekürt, im vorigen Jahr kam der Deutsche Verkehrsplanungspreis hinzu für die innovative Verknüpfung von städtischen Verkehrsmitteln. Die ist es, womit Bremen sich von anderen umweltengagierten Kommunen abhebt, von Münster, von Tübingen oder Ulm. Nirgendwo sonst in Deutschland kombiniert man Verkehrsmittel so konsequent umweltgerecht wie in Bremen. Dort werden heute mehr als ein Viertel aller Wege mit dem Rad zurückgelegt und nur 35 Prozent mit dem Auto. Und das in einer Flächenstadt mit 547000 Einwohnern.
Die innovative Verknüpfung heißt hier Acht-Säulen-Modell. Das ist so erfolgreich, dass sich andere europäische Städte von Brüssel bis Bukarest das Konzept erklären lassen. So attraktiv, dass die Bremer zur Expo 2010 nach Schanghai eingeladen wurden, um dort in einem eigenen Pavillon der Welt ihr System des Carsharing zu demonstrieren.
Diskutieren Sie mit!
Kennen Sie auch einen Menschen, der das Prinzip der Nachhaltigkeit lebt - und anderen damit als gutes Beispiel dienen kann? Dann stellen Sie ihn anderen Lesern an dieser Stelle vor!
DISQUS ist ein Angebot von disqus.com und unabhängig von nationalgeographic.de - siehe insoweit die Hinweise zum Datenschutz der DISQUS-Kommentarfunktion
blog comments powered by Disqus