Bild: Benno Kraehahn Vergrößern
Ursula Sladek säte Sturm in Schönau – und erntet heute Windstrom sowie internationale Anerkennung.
Unsere Welt kann nur dann dauerhaft lebenswert bleiben, wenn wir uns am Prinzip der Nachhaltigkeit orientieren. Wir stellen Menschen vor, die ökologisch, ökonomisch oder sozial nachhaltig handeln. Pioniere wie Ursula Sladek, die schon vor 25 Jahren beschloss, ihre Heimat auf erneuerbare Energie umzustellen.
In Schönau, einem kleinen, im Schwarzwald versteckten Städtchen, hängen die Jungen am Rathausplatz rum, die Alten gießen ihre Geranien, und die Fremden wandern in die Wälder hinter dem LuftkurortSchild: „Schöne Au – komm und schau“. Beim zweiten Blick sehe ich das Windrad auf der Anhöhe, die Solarzellen auf dem Kirchendach, die Fotovoltaikanlage der Elektrizitätswerke Schönau (EWS). Und damit sind wir bei Ursula Sladek.
In einem schlichten Büro direkt unter den blau schimmernden Solarzellen empfängt sie mich mit einer Herzlichkeit, die misstrauisch stimmen könnte. Aber Ursula Sladek ist so: blaue Augen, graue Haare, Jeans, schwarze Bluse, gelernte Grundschullehrerin, 64 Jahre alt. Und Stromrebellin.
Seit 25 Jahren kämpft sie mit ihrem Mann, dem rauschebärtigen Arzt Michael Sladek, und weiteren Mitstreitern für eine Zukunft ohne Atomstrom. Sie hat einen Energiekonzern ausgekontert, ein eigenes Netz aufgebaut und ist selber Stromversorgerin geworden. Sie war bei Anne Will und Maybrit Illner zu Gast und ist gerade erst von einer Amerikareise zurückgekommen. Dort überreichte ihr Barack Obama den renommierten Goldman Environmental Prize, eine Art„UmweltOscar“. Nur kurze Zeit davor war ihr Engagement tragisch bestätigt worden, als am 11. März ein Erdbeben und ein Tsunami das Atomkraftwerk im japanischen Fukushima schwer beschädigten. «Da hätte ich lieber nicht recht gehabt», sagt sie, und für einen Moment schwindet ihre Fröhlichkeit.
Alles fing an am 26. April 1986 mit dem Störfall in Tschernobyl und den Wochen danach, als der SuperGAU auch die Schönauer Welt traf. Ins Gedächtnis von Ursula Sladek, damals Mutter von fünf kleinen Kindern, ist diese Zeit eingebrannt wie der Reaktorkern in den Block 4: «Wir haben den Sandkasten abgebaut, das Gemüse konnten wir nicht mehr sorglos essen, der Milch für die Kinder nicht mehr trauen», erinnert sie sich. Sie wollte etwas tun, nicht warten, bis Politik und Wirtschaft reagieren würden. Mit ihrem Mann, damals schon Gemeinderatsmitglied, gründete sie die Bürgerinitiative „Eltern für eine atomfreie Zukunft“ und veranstaltete Stromsparwettbewerbe. «Wir haben gezeigt, dass jeder etwas tun kann – etwa im Haushalt Strom sparen», sagt sie. Ursula Sladek aktivierte etwas in den Menschen. Die Stromrebellion hatte begonnen.
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