Unsere Welt kann nur dann dauerhaft lebenswert bleiben, wenn wir uns am Prinzip der Nachhaltigkeit orientieren. Wir stellen Menschen vor, die ökologisch, ökonomisch oder sozial nachhaltig handeln. Pioniere wie Gisela Gravelaar, die in Münster die Wartburg-Grundschule zu einem Hort modernen Lernens machte.
Es musste doch auch anders gehen. Davon war Gisela Gravelaar schon Anfang der achtziger Jahre überzeugt. Die junge Frau war damals Mitte zwanzig und sah, wie sich ihre Tochter Barbara in einer traditionellen Grundschule in Münster mühte: Mit Frontalunterricht, Noten, Hausaufgaben. Alle Schüler sollten gleich schnell dasselbe lernen. Dabei war keiner wie der andere. Das Ergebnis war Überforderung – der Kinder wie ihrer Eltern.
Gisela Gravelaar suchte Alternativen. Sie las über die Wartburg-Grundschule in Münster. Dort wurden ganz neue, offene Unterrichtsformen erprobt. Schon 1979 war ein Ganztagszug eingeführt worden. Der galt damals als familienfeindlich. Die Noch-Hausfrau aber war fasziniert: Schule so weiterzuentwickeln, dass Kinder sagen: «Ich lerne gern.» Dass sie soziale Fähigkeiten mitnehmen, statt stur zu pauken, das war es, was sie wollte. Sie beschloss, selber Lehrerin zu werden. Und hörte seitdem nie auf zu hinterfragen, was sie tat.
Seit elf Jahren leitet sie nun schon ebenjene Schule, auf die sie einst so neugierig war. Hier gibt es keine Noten und keine Klassenarbeiten mehr, keine Hausaufgaben und keine Fächer, sondern Projektarbeit. Jedes Kind hat einen persönlichen Wochenarbeitsplan und eigene Lernziele. Die Klassen sind jahrgangsstufenübergreifend, auch behinderte Kinder sind dabei. Ob Lernende oder Lehrende – alle duzen sich. Das könnte nun ein großes Durcheinander sein. Ist aber eine der besten Schulen des Landes: 2008 wurde die Wartburg-Grundschule mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet. Eine öffentliche Wertschätzung, die guttat.
Denn der Trend geht zwar zu eigenständigem Lernen, alters- und leistungsgemischten Klassen. Zahllose Studien belegen den nachhaltigen Erfolg dieser Unterrichtsformen. Trotzdem werden solche Schulen noch immer misstrauisch beäugt. Das zeigt sich etwa in den aufgeheizten politischen Debatten um die Gesamtschule. «Viele Eltern werden bei Veränderungen ängstlich», sagt Gravelaar. Das eigene Kind als Teil eines Experiments? Dann doch lieber Unterricht, wie man ihn selber kannte.
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