Evolution: Zwei in einem

Artikel vom 08.02.2010
Schnabeltier

Bild: Brendan Howard/Shutterstock Vergrößern

Mit eigener Briefmarke: Das Schnabeltier ist ein Säuger, der Eier legt. Die im Süßwasser ­lebende Kuriosität kommt nur in ­Australien vor.

Das Schnabeltier ist ein so seltsames Wesen, dass viele an einen Jux glaubten, als seine Entdeckung gemeldet wurde. Und als 1798 endlich ein Fell in London vorlag, rätselten die Biologen: Reptil oder Säuger? Einerseits legt es Eier wie Reptilien, andererseits hat es einen dichten Pelz, und es säugt seine Jungen – über ein Milchfeld am Bauch anstatt über Brustwarzen. Jetzt haben Forscher das Genom des Schnabeltiers entschlüsselt und bestätigt: Es ist ein Säugetier. Erstaunlicherweise fanden sie aber auch reptilienähnliches Erbgut. Säuger und Reptilien haben zwar gemeinsame Vorfahren, doch vor 315 Millionen Jahren trennten sich ihre Entwicklungslinien.

Das Schnabeltier erlaubt noch heute einen Einblick in das Erbgut jener ersten Säugetiere mit Eigenschaften von Echsen. Es hat – wie etwa Ratten – einen feinen Geruchssinn, der ihm wohl bei der Nahrungssuche hilft. Aber es legt eben auch Eier und erzeugt sogar Gift – wie Schlangen. Männliche Schnabeltiere sondern das Gift über Sporne an ihren Hinterbeinen ab, meistens im Kampf gegen Artgenossen. Aber auch Menschen haben es schon schmerzhaft zu spüren bekommen.


(NG, Heft 3 / 2010, Seite(n) 20)


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